Freitag, 24.11.2017

Eltern brauchen KONTAKT!

Wenn es den Eltern gut geht, dann geht es auch den Kindern gut. Das ist die immanente Einstellung von Silke Nuss Rodrigues und Liv Prönneke, Mitgestalterinnen des Elternkontakttreffens, die mit je vier und zwei Kinder, genau wissen, wovon sie reden ...

 

"Wenn einer träumt ist es ein Traum,
wenn viele träumen, ist es der Anfang von Wirklichkeit."
Friedensreich Hundertwasser

Eltern konzipieren zusammen mit Fachleuten aus dem Bildungsbereich  ein Elternkontaktprogramm.

Aber brauchen Eltern wirklich ein weiteres "Programm"?

Sollte das Wort "Programm" zukünftig auftreten, dann doch nur deshalb, weil es für den Antrag an das Sozialministerium notwendig ist. Ich beziehe mich auf Prof. Dr. Sigrid Tschöpe-Scheffler, die genau diese Programmdiskussion bei "Elternbildungsfachtagen" anspricht.

Eltern brauchen demnach kein weiteres Programm. Davon gibt es in der Pogrammlandschaft genug. Was sie aber wirklich brauchen, ist Austausch.

Ich selbst bin Mutter zweier Kinder. Zudem stehe ich berufsbedingt in Kontakt mit Eltern. Daher weiß ich, was Eltern brauchen. Um zu erfahren, was Eltern bewegt bzw. welche Themen sie wirklich berühren, habe ich einen Elternfragebogen konzipiert.

Wir haben Gewaltpräventionsprogramme für Kindertagesstätten (Kita plus) und Schulen (Lions Quest/Klasse 2000), aber wir haben keinen Baustein für Eltern. Der Lions-Clubs-Fachtag am 08.05.2010 in Stuttgart hat dies deutlich gezeigt.

Die aktuellen Elternbildungsprogramme übersehen oft das Wesentliche. Eltern wollen auf Augenhöhe betrachtet werden. Sie sind die Experten ihrer Kinder. Eltern müssen nicht gebildet werden. Sie sind es. Eltern wünschen sich eine wertschätzende Begleitung und eine vorurteilsbewusste Plattform. Wenn wir eine solche Plattform bieten, öffnen sich die Eltern mit ihren brennenden Fragen rund um das Thema Erziehung und Bildung. Haltungsänderung kann nur in einer offenen und vertrauensvollen Atmosphäre stattfinden. Unsere Haltungen geben wir an die Kinder der Zukunft weiter.

Deshalb - lassen Sie uns von Elternanfang an bis zum 14ten Lebensjahr des letzten Kindes, in einer vertrauensvollen und kontinuierlichen Beziehungsvernetzungsatmosphäre mit den Eltern beginnen, jene Fragen zu beantworten, die uns als Eltern wirklich bewegen.

Die Eltern bestimmen die Inhalte und Themen der Elternkontakttreffen. Die Multiplikatoren greifen diese Themen auf und gehen dialogisch auf diese Themen ein bzw. bereiten sich beim nächsten Mal entsprechend vor. Vielleicht wollen die Eltern über ihre Sorgen, Ängste, Konflikte oder über das Thema ,Schule' reden. Vielleicht wollen sie über Sexualität sprechen. Durch den Dialog mit anderen Eltern werden eigene Haltungen reflektiert, was wiederum den Kindern zugutekommt.

Wenn es Eltern gut geht, dann geht es auch den Kindern gut.

Projektinitiatorin: Theresia Friesinger, Soz.-Päd. (B.A.) und Referentin im Frühkindlichen Bereich und Inklusion.

Mitwirkende: Dr. Silke Nuss, vierfache Mutter und Ärztin; Daniela Oru, in Ausbildung und zweifache Mutter, Liv Prönneke, Physikerin und zweifache Mutter, Cristina Pinto, zweifache Mutter, Karl-Heinz Aschenbrenner - Pädagogische Hochschule Ludwigsburg; Rosemarie Motschenbacher, Mutter, Leiterin einer Kindertagesstätte und Multiplikatorin für Bildungs- und Lerngeschichten; Gerda Schwäble, Mutter und Erzieherin mit systemischer Ausbildung sowie andere transdisziplinär orientierte Eltern.

Mitdenker und Mitunterstützer ist Johannes Schopp, ein über Deutschland hinaus bekannter Dialogprozessbegleiter aus Dortmund und Monika Schäpe, GfK-Trainerin aus Reutlingen.

Wissenschaftliche Begleitung des Projekts voraussichtlich Hochschule Esslingen.

Beratung über "contact as" an der Hochschule Esslingen: Frau Marion Trick.


Polarisierende weitere Gedanken ...

Bildungspartnerschaft von Anfang an!

Kinder brauchen gute Krippen!

Kinder brauchen gute Bildungseinrichtungen!

Alles richtig!

ABER: Krippen gibt es nicht ausreichend! Pädagogisches Personal auch nicht! Träger, die mehr Personal einstellen wollen, werden sogar mit Kürzungen von Zuschüssen abgestraft.

Unsere Forderung lautet:

Kinder brauchen gute Eltern von Anfang an!

Diese Aussage polarisiert. Soll es demnach heißen, dass es schlechte Eltern gibt? Das heißt es eben nicht. Alle Eltern sind gut, so wie sie sind. Sie geben immer, nach ihren vorhandenen Ressourcen, ihr Bestes. SIE WOLLEN IMMER DAS BESTE FÜR IHR KIND. Sie sind die EXPERTEN ihrer Kinder. Was ihnen manchmal fehlt, ist vielleicht der Zugang zu ihren Ressourcen und Fähigkeiten und die Gelegenheit des Austauschs und der Reflexion. Das verstehen wir unter "gute Eltern von Anfang an!" Eltern brauchen die Gelegenheit und die Plattform, wo sie ihre Potenziale, Ressourcen und Fähigkeiten neu aktivieren können, damit sie ihre Haltungen auf eine wertschätzenden Art und Weise reflektieren können, ohne Angst zu haben etwas Falsches zu tun oder zu sagen. Auf dieser Plattform gibt es keine Schuld. Eltern lernen jenseits von Schuld zu denken. Sie lernen, dass ihre Bedürfnisse alle gut sind. Nur die Strategien der Bedürfniserfüllung sind nicht immer für sie selbst und schon gar nicht für ihre Kinder gut. Dies zu unterscheiden ist ein Riesenschritt in Richtung Eigenreflexion und macht tatsächlich "gute" Eltern aus.

Nach den neuen Erkenntnissen der Hirnforschung müssen wir mit dieser Eigenreflexion bei Null ansetzen und nicht erst in der Kindertagesstätte. Warum verpassen wir diese wichtige Reflexionszeit? Warum gibt es für alles Geld, aber für das Wichtigste überhaupt, sind wir betriebs- und gefühlsblind? Sind die Eltern, die uns die Menschen der Zukunft schenken, es uns wert? 

ElternKONTAKT - Eltern von Anfang an!

In der Präsentation "Starke Eltern" erfahren Sie mehr über die Gründe der Notwendigkeit eines landesweiten ElternKONTAKTprogramms. Das derzeitige Programm "STÄRKE" greift viel zu kurz.

Austausch mit Johannes Schopp

Johannes Schopp war in Stuttgart für einen ersten Ausstausch mit der Planungsgruppe.

Ab Februar 2012 starte die Pilotgruppe in Stuttgart-Nord. Die Pilotgruppe evaluiert die Inhalte der acht geplanten Seminare á zwei Stunden.

 


Machen Sie mit. So helfen Sie, herauszufinden, was Eltern wirklich brauchen...

ELTERNFRAGEBOGEN_.pdf


ElternKONTAKT

ist zunächst eine Elterninitiative: "Elternkontakt - einfach Eltern sein.", die sich auf folgende Annahmen beruft:

Eltern wünschen Begleitung und keine Verurteilung.

Eltern müssen nicht gebildet werden. Sie sind es.

Eltern müssen nicht zu Eltern erzogen werden. Sie sind es.

Eltern müssen nicht da abgeholt werden wo sie stehen. Sie gehen.

Eltern brauchen kein weiteres Elternbildungsprogramm.

Eltern brauchen keinen "niederschwelligen", sondern einen wertschätzenden Austausch.

Sie brauchen eine wertschätzende, vorurteilsbewusste und dialogische Plattform der Begegnung, damit alle Eltern ihre Themen offen und frei äußern können.

Die Themen werden durch die Eltern mitbestimmt. Die KONTAKTbegleiter greifen diese Themen auf.

Nach den ersten Treffen, bestimmen die Eltern die KONTAKT-Termine, damit alle Interessierten anwesend sein können.

Wenn Eltern Treffen ohne KONTAKTbegleiter organisieren wollen, um Ihre Themen zu vertiefen, wird dies ermöglicht.

Beide Seiten - Themen und Austausch - sollte eine gesunde Balance haben.



10 Dialogregeln nach Schopp und Marek

1. Jede/r genießt den gleichen Respekt.
2. Ich mache mir bewusst, dass meine „Wirklichkeit“ nur ein Teil des Ganzen ist.
3. Ich verzichte darauf, (m)eine Lösung über den Lösungsweg meines Gegenübers zu stellen.
4. Ich spreche in der „Ich-Form“ und nicht in der „Man-Form“.
5. Ich verzichte auf Du-Botschaften und verletzende Aussagen.
6. Bevor ich rede, nehme ich einen Atemzug lang Pause.
7. Ich rede von Herzen.
8. Ich genieße das Zuhören.
9. Ich vertraue mich neuen Sichtweisen an.
10. Ich nehme Unterschiedlichkeit als Reichtum wahr.

mit einer Ergänzung:
11. Manchmal ist ein Anliegen groß. Wenn alle einverstanden sind, kann diesem Anliegen Raum geschenkt werden. Der Kontaktbegleiter achtet auf die Balance von Reden und Zuhören.