Samstag, 25.11.2017

Buchausschnitt: Verschiedene Ausführungen von Musterreaktionen

Fünf Auswertungen unbewusster negativer Reaktionsmuster

  1. Das Anerkennungsmuster   
  2. Das Helfer- und Rettermuster
  3. Das Verdrängungsmuster
  4. Das Verurteilungsmuster
  5. Das Schutzmuster

Diese Auswertungen sind allgemeine Schlussfolgerungen, die deduktiv (vom Allgemeinen zum Besonderen) begründet sind. Der Leser kann bestimmte Aspekte auf sich beziehen, falls er durch Reflexion erkennt, dass ein bestimmtes Verhalten auf seinen Einzelfall zutreffen könnte.


7.2.4.1    Das Anerkennungsmuster
„Die Anerkennung braucht den Neid der Anderen!“  Anerkennung als Sahnehäubchen und als Feed-backmethode ist entwicklungsbringend, besonders für Kinder und Heranwachsende. Wenn die Anerkennung jedoch nur noch als Kompensation einer inneren Leere missbraucht wird, mutiert sie zum Muster. Bryon Katie sagt, wenn sie ein Gebet aufsagen dürfte, dass sie es so formulieren würde: „Lieber Gott, bewahre mich vor dem Verlangen nach Liebe, Anerkennung oder Wertschätzung. Amen.“
Florian, 52 J., ein Abteilungsleiter, hatte nach dem Bedürfnisfindungscoaching sofort leuchtende Augen. Ihm wurde plötzlich etwas bewusst, was ihm zuvor nicht bewusst war. Er ist der wichtigste Mensch in seinem Leben. Die Selbstliebe als höchsten Wert für sich zu definieren, sei ihm, wie er sagte, noch nie in den Sinn gekommen. Sein höchster Wert sei bislang die Anerkennung, und der zweithöchste die Sicherheit gewesen. Nach der Reflexion hatte er seine Werte neu organisiert. Ein Mensch, der sich liebt, braucht die Anerkennung anderer nicht.
Dem Anerkennungsmuster liegt die Angst zugrunde, nicht gut genug für diese Welt zu sein. Eine Variante des Anerkennungsmusters ist die Koppelung mit einem Angebermuster. Dieses Muster finden Sie in der Reaktionsmustertabelle  als AUFwertendes Anerkennungsmuster. Ein Mensch mit einem aufwertenden Anerkennungsmuster ist in ständiger Sorge um seinen eigenen Wert. Sein Verhalten und die Begleitgedanken kreisen ständig um die Sicherung des Selbstwertes, weil dahinter die innere Stimme des Selbstzweiflers hallt. Die Botschaft des inneren Dialogs lautet: „Ich bin nichts wert! Ich bin nicht in Ordnung! Das Leben meint es nicht gut mit mir!“ … Die Welt ist voller Adleraugen, Richter und Bewerter. Denen fühlt sich der Selbstzweifler, der sich nie eine Blöße erlauben darf, im Kreuzfeuer der Beschattung ausgesetzt. Folglich eignet er sich weitere überlebenssichere Reaktionsmuster an. Diese Menschen stehen im ständigen Spannungsfeld von übertriebenem Ehrgeiz bis Besserwisserei und dem inneren mürbe machenden Selbstzweifel. Dieses Spannungsfeld wirkt bei anderen als Imponier- und Prahlgehabe aus. Der Empfänger hört in jeder Botschaft: „Bewundert mich, wie toll ich bin!“ Je nach Art des Empfängers wenden sich manche ab oder andere bemitleiden. Aber es gibt tatsächlich auch die Bewunderer. Das ist Balsam für die Seele dieser Menschen. Leider wirkt das Balsam nur für kurze Zeit, weil der fruchtbare Boden des Selbstwertschätzungsfasses  fehlt. Die Selbstzweifler fühlen einen permanenten inneren Druck, nach außen perfekt zu erscheinen.  Ihr Selbstwert ist von der Bewertung der Leistung abhängig: „Ich selbst bin nicht (liebens)wert – nur in dem Maße, wie ich ,gut‘ bin, verdiene ich Liebe und Anerkennung.“
Menschen mit einem aufwertenden Anerkennungsmuster sind dauerhaft bemüht, den anderen etwas zu beweisen. Nach Alfred Adler haben sie einen „Überlegenheitskomplex“.  Der Überlegenheitskomplex ist in Wirklichkeit ein Minderwertigkeitskomplex.  Sie wollen es sich im Grunde selbst beweisen. Den Selbstzweifel spüren sie weniger bei sich selbst, sondern sie projizieren ihn auf andere. Sie interpretieren jeden zweifelnden Blick und schmachten nach dem anerkennenden Blick.
Diese Menschen können durchaus über Gefühle reden, aber sie verarbeiten die Gefühle rein ratio-nal. Sie sind vernunftfixiert. Gefühle sind lästig und haben in der Leistungswelt nichts zu suchen. Dennoch wissen diese Menschen um ihre Emotionalität; sie sind nur ein Großteil ihres Lebens damit beschäftigt, Energie in die Abwehr von Emotionen zu investieren. Sie haben große Angst Gefühle zu zeigen und zu versagen. Sie tun viel, um dies zu verhindern, nur um nicht den für sie unerträglichen Zustand fühlen zu müssen. Ihre eingegangenen Beziehungen benutzen sie, um ihr Bedürfnis nach Anerkennung auskosten zu können. Besonders Menschen mit einem aufwertenden Anerkennungsbedürfnis investieren in Beziehungen weniger als sie profitieren. Liebe wird an Bedingungen geknüpft, weil sie selbst nie gelernt haben bedingungslos zu lieben. Erst wenn alle Erwartungen erfüllt sind, hat der Partner es verdient, geliebt zu werden. Sie dulden kein Versagen, weder bei sich noch bei anderen. Sie verurteilen Nichtskönner und Unfähige. „Ich bin schließlich der Beste/die Beste!“ sind die Affirmationen des inneren und äußeren Dialogs. Menschen mit einem Anerkennungsmuster verhalten sich teils in geselliger Runde sehr infantil. Es scheint, dass sie in diesen entspannt-geselligen Momenten ihr kindliches So-Sein nachholen, welches sie in der Kindheit stark vermissten. Unter normalen Umständen erlauben sie es sich nicht, infantil zu sein. Eine inklusive Haltung bedeutet aber die Integration des kindlichen Seins bei aller Ernsthaftigkeit des Lebens. Wer sein inneres verspieltes Kind aufgibt, verliert den Spaß am Leben.
Das ABwertende Anerkennungsmuster geht an die Substanz. Es sind Menschen, die sich täglich bemühen und sich sprichwörtlich ein Bein ausreißen, aber dennoch keine Anerkennung finden. Sie haben ein geringes Selbstwertgefühl und einen starken inneren Kritiker. Sie haben viele irrationale Glaubenssätze und wenig Selbstrespekt. Über Leistung und Helferrituale kompensieren sie den fehlenden Respekt. Sie nutzen jede Gelegenheit, ihre Leistung nach außen zu kehren, um sie zu präsentieren. Je nach Verhaltens- und Reaktionsmuster des betreffenden Interaktionspartners verfällt der eine in Bewunderung und der andere wendet sich ab, weil er anerkennungssüchtige Menschen nicht erträgt.
Ein abwertendes Anerkennungsmuster unterdrückt die Identitätsentwicklung. Selbst ein schwach ausgeprägtes Anerkennungsmuster blockiert das Erkennen von Gefühlen und Bedürfnissen. Die Menschen halten es für normal und logisch, dass sie auf Anerkennung angewiesen sind. Sie erkennen aber nicht das Maß, in dem sie es einfordern. Sie erschaffen ein Anerkennungsfeld um sich herum und merken nicht ihre Abhängigkeit von diesem Feld. Anerkennungssüchtige Menschen haben ihre Pubertät nur mit großen Schwierigkeiten überwunden und konnten aus dem Entwicklungsmuster der Anerkennung nicht ausbrechen. Sie verhalten sich auch im Erwachsenenstadium weiterhin diesbezüglich pubertär. Kinder und Jugendliche sind auf Anerkennung angewiesen, um sich entsprechend ihrer Kompetenzen entwickeln zu können. Erwachsene kommen durch Selbstreflexion irgendwann in ihrem Leben an einem Punkt, wo sie verstehen, dass es im Leben um mehr geht, als nur um Anerkennung. Wer diesen Punkt nicht erreicht, wird ein Leben lang nach Anerkennung streben.
Je nach individueller Bereitschaft und Offenheit kann das Anerkennungsmuster, sobald es bewusst wird, sofort abgelegt werden. Dennoch fällt es vielen schwer, es aufzugeben. Schließlich haben sie ein Leben lang nichts anderes getan, als sich zu projizieren, zu profilieren, zu vergleichen und zu beweisen, um die innere Leere auszugleichen. Sie zeigten nur ihre Schokoladenseite. Die verborge-ne Rückseite ihres Wesens wurde von ihnen nicht angenommen und bejaht.  Sie vergaßen auf-grund ihres helfenden Aktionismus sich selbst und ihr familiäres Umfeld. Diese Menschen haben Angst davor, zur Ruhe zu kommen, weil sie befürchten, sich ihren Gefühlsresonanzen auszuliefern. Sie ertragen die Ruhe aus Angst vor der inneren Leere nicht.
Beide Anerkennungsmusterformen können sich nur schwer so annehmen, wie sie sind. Für den Prozentsatz ihrer fehlenden Selbstliebe benötigen sie die Anerkennung anderer. Dafür sind ihnen viele Mittel recht, bis sie eines Tages den Sinn des Ganzen hinterfragen. Viele fallen in ein tiefes Loch, leiden am Burnout-Syndrom oder an anderen psychosomatischen Krankheiten. Sie haben lange Zeit alles für die Anerkennung unternommen und zurück blieb nur das Gefühl, versagt zu ha-ben. Das dabei entstandene Gefühl der Leere können diese Menschen kaum ertragen. Sie resignie-ren. Wird den Menschen, die sich in einer solchen resignierten Situation befinden, ihr Anerkennungsmuster bewusst, stellen sie sich die Identitätsfrage: „Wer bin ich eigentlich? Bin ich immer noch der, von dem ich dachte, dass ich es bin?“ Das Widerfahrene (Jobverlust, Scheidung, ein Freund hat sich abgewendet …) muss zur Integration in die Persönlichkeit freigegeben werden. Erst nach diesem erfolgreichen Inklusionsprozess wird die subjektiv tief empfundene innere Leere wie-der aufgefüllt mit neuen Qualitäten.
Beide Anerkennungsmusterformen haben Schwestermuster wie das Verurteilungs-, Rechthaben-, Schuldzuweisungs- und Verdrängungsmuster. Stellen Sie sich Vergleichsfragen, dann finden Sie Ihre Kopplungen heraus: „Habe ich in Endlosdiskussionen immer das letzte Wort? Beharren ich penetrant auf meine Meinung, auch wenn ich merke, dass ich nicht Recht habe? Kann ich Fehler anderen gegen-über eingestehen? Bedaure ich mein Fehlverhalten oder sind immer die anderen Schuld?“ Beide Anerkennungsmusterformen brauchen die Identifikation mit den eigenen inneren Schatten. Der innere Schatten wird grundsätzlich auf andere übertragen. Mögen sie jemanden nicht, dann bekommt diese Person seine kompletten Strategien der Bedürfniserfüllungen zu spüren. Die Fehler der anderen werden im Rampenlicht eigens inszeniert. Für einen kurzen Moment geht es dem Menschen mit dem Anerkennungsmuster dabei extrem gut. Aber ein Fass ohne Boden kann diese Gefühle nicht lange halten. Ist dieser Moment der Preis der Unfreiheit wert?
Wie kommen Menschen, die ein Leben lang nach Anerkennung strebten, zurecht, wenn sie plötzlich durch ein traumatisches Erlebnis (Partner trennt sich unverhofft …) auf ihre Gefühle zurückgeworfen werden? Sie brauchen ein Bewusstsein, welche Vorteile es bringt, auf sich selbst zurückgeworfen zu sein. Ich bin auf der Welt, damit ich mir meinen Daseinssinn entwickle und nicht damit die anderen mir meinen Sinn vorgeben. Wenn die anderen einen Sinn in meinem Handeln sehen, so ist das gut, wertschätzend und richtig. Anerkennung ist gut, wenn sie in Maßen gewünscht wird. Anerkennung ist grausam, wenn wir dabei unsere authentische Seele verkaufen.
Sollten auch Sie ein Anerkennungsmuster haben, dann reflektieren Sie darüber und verändern Sie Ihr Leben so, dass Sie die Anerkennung als ein willkommener Zusatz, wie ein Sahnehäubchen, genießen lernen. Geben Sie das Anerkennungsmuster auf! Sie sind so intelligent, fleißig, kompetent, handlungsfähig, besonders und wertvoll, dass Sie es nicht nötig haben, diese Anerkennung mit Spielchen und Strategien einzufordern. Sie sind gut so, wie Sie sind. Fangen Sie an, sich wirklich zu lieben. Das ist alles, was Sie brauchen, um sich von diesem unbewussten negativen Reaktionsmusters zu befreien. Gestehen Sie sich Ihre Defizite ein, die Sie vielleicht jahrelang erfolgreich verdrängt haben. Menschen mit einem Anerkennungsmuster sind  ehrgeizig, fleißig und perfektionistisch; da ist kein Platz für ein Defizit. Es handelt sich aber um ein Defizit an Liebe und Urvertrauen. Diesem inneren Dilemma können wir zu entkommen. Jeder kann, wenn er will, sein Leben so gestalten, dass er sich wertvoll auch ohne die Anerkennung fühlt. Im Praxisbuch erhalten Sie viele Anregungen und Antworten, wie leicht es ist, sich wertvoll zu fühlen, selbst wenn die Anerkennung ausfällt.
Es lohnt sich, dieses ungeliebte Reaktionsmuster aufzugeben. Sie brauchen es nicht! Sie sind erwachsen und kein kleines Kind mehr. Schauen Sie in den Spiegel und erkennen Sie endlich Ihr authentisches Ich, dass zu Ihnen sagt: „Das bin ich und ich bin gut so, wie ich bin. Ich brauche die Anerkennung der anderen nicht.“ Mit dieser Haltung wird sich Ihr stimmig-authentisches Selbst in Ihrem Leben spiegeln. Nichts wird mehr so sein wie vorher. Freuen Sie sich darauf, stimmig-authentisch zu leben, zu fühlen und zu lieben. Es ist das Gefühl von innerer Freiheit.


7.2.4.2    Das Helfer- und Rettermuster
Martin, 36 J., hatte ein rigides Helfer- und Rettermuster. Er konnte nie NEIN sagen und opferte sich täglich für andere auf. Er sagte, er tue alles für andere und wenig für sich selbst. Sein Helfersyndrom sei ihm schon lange bekannt. Er wolle zukünftig aber nicht mehr helfen, wenn er spüre, dass er die Bedürftigkeit der anderen ausnütze, damit er selbst in einen besseren inneren State (Zustand) komme. Nach einer Glaubenssatzänderung: „Ich bin wertvoll, auch wenn ich NEIN sage!“ wägt er heute ab, ob er auch Nein sagen kann. Früher hat er seine Hilfe anderen aufgedrängt, nur um gebraucht zu werden und um sich dadurch wertvoll zu fühlen. Ein Nein, ist ein JA zu sich selbst.
Das Helfer- und Rettermuster ist eine Variation des Anerkennungsmusters. Dem Helfer- und Rettermuster liegt die Angst vor der eigenen Anlehnungsbedürftigkeit und Nähe zugrunde. Angst vor Nähe entsteht, weil in der Kindheit die Erfahrungen von Nähe nicht sensibel genug beantwortet wurden. Deshalb versuchen sie, Nähe zu bekämpfen, indem sie in Beziehungen fremdgehen, unnahbar erscheinen oder indem sie über ein Helfersyndrom Nähe simulieren.
Ein Helfer- und Rettermuster hat die schwachen und bedürftigen Anteile nicht in seine Persönlichkeit integriert. Für diese Menschen ist es eine Katastrophe, schwach, anlehnungsbedürftig, traurig und verzweifelt zu sein. Das eigene innere Kind verhungert, aber die satten Gefährten im Außen werden überfüttert. Sie kaufen sich über das Helfersyndrom ihre fehlende Selbstliebe. Ohne die geleistete Hilfe empfinden sie sich wertlos. Sie fühlen sich unter Menschen oft einsam, aber sie können ihre Einsamkeit und Bedürftigkeit nicht zeigen. Es sind sehr beliebte Menschen, weil sie viel Einsatz für Mitmenschen zeigen. Sie verkörpern den edlen, hilfreichen und guten Menschen. Für andere tun sie alles, jedoch kaum etwas für sich selbst. Sie opfern sich für die Ziele anderer auf. Sie gewinnen für andere und sind gleichzeitig für sich selbst die größten Verlierer. Dieses altruistische Retterverhalten gelingt jedoch nicht immer. Fürsorgliche Geschwister tyrannisieren plötzlich ihre schwächeren Geschwister, weil sie den Impuls, andere zu quälen, nicht länger unterdrücken können. Später plagt sie das schlechte Gewissen, weil sie sich in ihren Augen nicht hilfsbereit und moralisch richtig benommen haben
Im Erwachsenenalter zeigt sich das Racheverhalten auf eine andere Art und Weise. Es kann durchaus sein, dass bei nicht erfolgter Dankbarkeit auf eine altruistische Handlung das Verhalten in unbändige Wut umschlägt. Mit der Zeit wird dem Betroffenen immer deutlicher, dass der übersteigerte Einsatz die innere Leere nicht ausfüllt. Die erhaltene Anerkennung verpufft an der Oberfläche und dringt nicht bis ins Herz des Einsamen. Sie kennen das innere Band der Selbstliebe nicht, und sie haben keine Vorstellung, wie es sich anfühlt, andere Menschen bedingungslos zu lieben. Ihre Liebe ist, wie beim Anerkennungsmuster, ebenso an Bedingungen geknüpft. Die implizite Botschaft lautet: „Ich helfe Dir, damit Du mich liebst.“ Oft ist das Helfermuster mit einem Schutzmuster verstrickt. Die Menschen mit dieser Musterkoppelung haben große Angst vor der Liebe. Sie haben Angst vor dem Schmerz der Enttäuschung. Sie haben die Überzeugung, dass sie eine weitere Enttäuschung nicht verkraften, weil sie befürchten ihrer inneren Wertlosigkeit ausgesetzt zu sein. Vor lauter Angst jemand könnte erkennen, wie sie in Wirklichkeit sind, lassen sie niemanden zu nah an sich heran. Sie fokussieren ihr Leben auf die Anerkennung, die ihnen durch das Helfen und Retten zu Teil wird. Sie wissen nicht wirklich, wie, wer und was sie sind. Sie haben wenig Eigenantrieb, weil sie die Ziele anderer leben. Sie funktionieren nur durch extrinsische Motivationen. Wie Roboter füllen Sie (gerne) Befehle aus und fühlen sich danach wertvoll. Sie erkaufen sich ihre Liebesbeziehungen durch Helfer- und Retterstrategien: „Ich bin glücklich, wenn Du durch meine Hilfe glücklich bist.“ Wird die Beziehung plötzlich durch die geleistete Hilfe dennoch nicht glücklich, sind diese Menschen sehr verbittert und frustriert und die Beziehung droht zu scheitern, vorausgesetzt beide Partner finden ihre eigenen Motivationen, die sie wirklich glücklich machen.
Jedes Kind braucht das Gefühl der bedingungslosen Liebe, um sich gut entwickeln zu können. Men-schen, die diese bedingungslose Liebe nicht erfahren haben, versuchen sie durch erkaufte oder erzwungene Anerkennungsliebe zu ersetzen. Sie spüren zunehmend wie unrealistisch dieses Verhalten ist. Als Erwachsene haben diese Menschen die Aufgabe, zu lernen, wie sie ohne die Anerkennung anderer glücklich leben können. Durch den inzwischen großen und liebevollen Erwachsenen,  der ihrem inneren Kind und den anderen inneren Teammitgliedern,  seine liebevolle Hand reicht und diese in ihren Eigenheiten so respektiert und annimmt, wie sie sind, kann der Boden im Selbstwertschätzungsfass  zugenagelt werden. Wer einen Fassboden besitzt, kann ohne weiteres auf Anerkennung verzichten. Durch diese innere Handreichung des liebevollen Erwachsenen lernen diese Menschen, sich selbst zu heilen. Reintegrieren Sie alle verborgenen Teile in Ihnen. Vertragen Sie sich mit ihnen und lassen Sie allen Teilen in Ihnen ihre Berechtigung und Wertigkeit. So lernen Sie, wie Sie sich selbst genügen und lieben, ohne von der Aufmerksamkeit und Anerkennung anderer abhängig zu werden und zu sein.
Lesen Sie ergänzend zu diesem Muster Paul Watzlawicks Kapitel: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“ im Buch Anleitung zum Unglücklichsein. Watzlawick beschreibt sehr anschaulich die Hintergedanken und den „seelischen Katzenjammer“  dieses Unglücksmusters. Michael Jung sagt dazu: „Es gibt Teile in mir, die haben sich noch nicht das Du angeboten." Woody Allen bemerkt zum Thema: „Das Schwierigste am Leben ist es, Herz und Kopf dazu zu bringen, zusammenzuarbeiten. In meinem Fall verkehren sie noch nicht mal auf freundschaftlicher Basis." Bernhard Trenkle spricht das aus, was eigentlich nicht passieren dürfte: „Stell dir vor, du gehst in dich und keiner ist da."  Ich verweise an dieser Stelle noch auf die Kommunikationstheorie des inneren Teams von Schulz von Thun: Klarkommen mit sich selbst und anderen.  Die inneren Anteile werden bei Schulz von Thun personifiziert, was durchaus seinen Humor hat. Reflektieren Sie Ihre inneren Teamsitzungen. Stellen Sie sich zum Helfermuster folgende Frage: „Welche Teamplayer in mir spielen noch mit, die mich dazu bringen, ständig anderen zu helfen?“ Welche inneren Teammitglieder kommen zu kurz, sind resigniert oder haben nichts zu sagen? Welche drängen sich in den Vordergrund oder haben das Zepter in der Hand? Das Teammitglied in uns, das Anerkennung braucht und deshalb seine Hilfe anderen gegenüber aufdrängt: „Bin ich nicht toll, weil ich Dir so sehr helfe?“, hat ebenso seine Berechtigung, wie das Teammitglied, das nicht am Tisch sitzt, weil es sich vor der Positionierung drückt. Kann der innere Teamchef den Typ mit dem Helfersyndrom ertragen? Was unternimmt er, dass der, der nicht da ist, ebenso zu den Sitzungen kommt? Nur der Zusammenhalt aller inneren Teammitglieder untereinander bringt inneres Gleichgewicht und innere Freiheit. Der innere Teamchef gibt dann das positive Zusammenhaltsignal an das Denksystem weiter; es werden Endorphine ausgeschüttet und dem Menschen, als ein authentisches Selbst, geht wieder gut. Er ist in einer exzellenten inneren Zone: Er weiß und fühlt: ,Alle inneren Teammitglieder sind zufrieden.‘ Die innere Zufriedenheit hat selbstverständliche Auswirkungen auf die äußere Zufriedenheit und auf die Botschaft der Sprache. Ideal ist es immer, wenn alle Teammitglieder zu Wort kommen, dann können Entscheidungen des inneren Teamchefs in Harmonie mit sich selbst und mit den anderen gefällt werden. Doch bis dahin, ist oft ein langer, aber interessanter Weg der Innenschau, Selbstklärung und Innenweltidentifizierung notwendig. Geschieht die Innenschau konsequent, wird das Ziel schneller als erwartet erreicht. Was ist Ihr Ziel? Wollen Sie innerlich von Ihren Mustern frei werden?


7.2.4.3    Das Verdrängungsmuster
Menschen mit einem Verdrängungsmuster sind oft sensible Menschen, die ihre Güte mit Mauern schützen. Sie wissen nicht, dass sie eigentlich auch ohne Mauern auskommen würden. Sie wissen nicht, dass diese Mauern mehr belasten als befreien. Verdränger haben zwei große Ängste: Angst vor Abhängigkeit und Angst vor der inneren Vulnerabilität.  Die Verdränger kennen ihre Gefühle nur oberflächlich, weil sie Angst vor ihnen haben und Angst vor Verletzungen durch andere. Gefühle sind vorhanden, egal ob wir sie verdrängen oder nicht. Sie nicht fühlen zu wollen, ist das eigentliche Leid des Verdrängungsmusters. Wer gelernt hat, alles, was sich nicht gut anfühlt, wegzuschieben, hat eine gute Gefühlsverpackungsstrategie und kaum noch eine Vorstellung, wie Gefühle „ent“packt werden. Diese Menschen haben aufgrund von leidvollen Kindheitserfahrungen Gefühle unterdrückt und sind am besten damit gefahren, wenn sie ihre Gefühlsimpulse nicht wahrgenommen haben. Die Gefühle sind gut in Watte verpackt oder vereinsamen in der Dunkelkammer. Sie neu zu entdecken, würde bedeuten, die Gefühle bewusst zu fühlen auch wenn sie wehtun. Wer seinen Schmerz anschaut, wird die Erfahrung machen, wie Schmerz sich in neue Gefühlsqualitäten verwandelt. Gefühle sind für den Verdränger lästige Kreaturen, die in den Keller gehören. Würden sie ihre Gefühlskreaturen aus dem Keller an die Oberfläche bringen, dann würden diese missachteten Kreaturen bei Tageslicht sich zu wunderbare Wesen verwandeln, die sich nichts weiter als Daseinsberechtigung wünschen. Die inklusive Haltung verdrängt keine Gefühle. Wer verdrängt bleibt in sich selbst gefangen. Verdränger suchen verkrampft nach äußerer Freiheit, weil sie keine innere Freiheit spüren. Sie versuchen sich und die Menschen in jeder Situation zu kontrollieren (sich im Griff zu haben) und haben das Glaubensmuster verinnerlicht: „Wenn ich mich öffne, dann bin ich in Gefahr.“
Distanziert wirkende Menschen sind Meister im Verdrängen. Sie spielen ihre erlernten Rollen auf allen Ebenen nahezu perfekt. Sie glauben, über Vernunftfixierung die Gefühle kontrollieren zu können. Sie glauben sich zu kennen und sind überzeugt, dass sie sich gut kennen, weil sie ihre Gefühle scheinbar im Griff haben. Manche Menschen benutzen das Verdrängungsmuster, um ihr Vergnügungsmuster zu bedienen. Sie leben scheinbar glücklich in einer problemlosen Welt in den Tag hinein. Unter der scheinbaren Problemlosigkeit leiden die Menschen in ihrem Umfeld. Menschen mit diesem Duettmuster erscheinen oberflächlich, aber im Grunde ihres Herzens sind sie zutiefst unsicher. Ein Verdrängungsmuster und Vergnügungsmuster kann zu finanzieller Überschuldung führen. Beide Reaktionsmuster können nur solange erfolgreich eingesetzt werden, bis die Konfrontation mit dem Problem erfolgt oder bis die Konklusion  des Verhaltens offensichtlich ist. Ein Mensch mit Verdrängungsmuster ist jedoch sehr erfinderisch und geschickt, wenn es darum geht, neue Strategien und Ablenkungsmanöver zu erzeugen. Das Problem wird umgarnt und umtanzt.
Andere Menschen mit einem Verdrängungsmuster sind die vermeintlich freien Lebenskünstler. Sie lenken sich permanent ab. Sie sind mal hier und mal dort und nirgends wirklich zu Hause. Die Angst ist ihnen auf die Stirn geschrieben: Es ist die Angst vor der Liebe. Es entgeht ihnen einen unermesslichen Reichtum an Fülle und Lebendigkeit. Menschen, die Angst vor der Liebe haben, sind unfrei. Sie flüchten, obwohl sie eine große Sehnsucht haben zu lieben. Sie suchen in der Außenwelt die große Freiheit. Da sie sich selbst nicht genügend lieben und auch ihrem Partner ihre Liebe nicht offen zeigen können, sind sie im Grunde unsicher und innerlich unausgeglichen. Der Schein trügt. Sie verdrängen und passen sich an. Sie können die Vorstellung nicht ertragen, dass Gefühle nicht erwidert werden. Dazu bedarf es der Sicherheit der Selbstliebe. Die Angst vor Verletzung ist der Grund keine Gefühle zuzulassen. Trifft ein distanzierter und scheinbar freiheitsliebender Mensch auf einen emotionalen Menschen, dann leiden beide, weil die emotionalen Anknüpfungspunkte fehlen. Verlässt der Emotionale plötzlich das sichere System, weil er sich aus der unbefriedigenden, distanzierten Beziehung verabschiedet, dann wird die innere Unsicherheit und Verletzlichkeit des Lebenskünstlers schlagartig offenbar. In seiner Not löst sich das Verdrängungsmuster auf. Dieser Mensch kämpft plötzlich wie ein Tier um sein Revier; und zwar so lange bis er den Partner wieder zurück gewonnen hat. Es kann für den Partner höchst befremdlich sein, plötzlich mit Liebe über-schüttet zu werden. Es herrscht eine Nähe, die bis zu diesem Zeitpunkt nicht vorhanden war. Der Kampf um den Partner ist ein Überlebenskampf, weil durch das offene Gefühlsventil plötzlich irratio-nale und limitierende Überzeugungen zum Vorschein kommen. Es wird ihnen bewusst, dass sie sich ohne den Partner wert- und bedeutungslos fühlen. Die Lösung liegt aber nicht beim Partner, sondern in ihnen. Nur weil der Partner bleibt, ist das Muster nicht beseitigt. Es wird sogar verstärkt, weil die Strategie erfolgreich war. 
In Extremsituationen kann das Verdrängungsmuster plötzlich aufbrechen. Das Problem lässt sich dann einfach nicht mehr wegmachen oder -schieben. Die Schublade ist übervoll und geht nicht mehr zu. Die Lösung ist auch hier die Inklusion: Die Annahme dieses Verhaltensmusters. „Ja, es stimmt, ich verdränge Konflikte; ich verdränge Gefühle; ich bin ständig auf der Suche nach mehr Freiheit, weil ich innerlich leer bin und weil ich nicht gebunden oder ausgeliefert sein möchte. Ich höre zwar, was der andere sagt, aber das kommt sofort in eine Schublade.“ Interessiert es diese Menschen wirklich nicht? Sind sie tatsächlich Eisblöcke? Ich denke, das Gegenteil ist der Fall. Die Verdränger verspüren eine große Sehnsucht nach Bindung, Geborgenheit und Liebe, die sie durch das Distanz- und Verdrängungsmuster verzweifelt unterdrücken, weil sie sich diese Gefühle nicht erlauben.
Schulz von Thun sagt über den Verdränger: „Sein bedürftig-abhängiges Flussbett ist gleichsam ausge-trocknet, da starke Dämme die Strömung aufhalten. Da sich hier etwas staut, kommt die Angst vor einem Dammbruch und vor den gewaltigen Fluten hinzu, die dann über ihn hereinbrechen würden – Grund genug, die Dämme katastrophensicher auszubauen. Angst und Sehnsucht sind siamesische Zwillinge: Der Wunsch nach Nähe und Geborgenheit, nach Innigkeit und liebevollem Miteinander ist stark, aber die Angst davor noch stärker, sodass in der zwischenmenschlichen Begegnung die Sperre erhalten bleibt.“
Fangen Sie JETZT damit an, Ihre Beziehungssperren aufzuheben und Ihre Konflikte zu klären. Verdrängen Sie diese nicht weiter. Schauen Sie sich JETZT Ihr Verdrängungsmuster an und überlegen Sie sich dazu passende Fragen. „Warum verdränge ich eigentlich? Warum will ich am liebsten alles gleich wieder vergessen und so tun, als ob alles in Ordnung sei?“ Es liegt an Ihnen, Ihre Fragen zu beantworten. „Hilf Dir selbst, wer sonst kann es tun?“  Fragen Sie sich, was Sie davon abhält, Ihre Gefühle zuzulassen? Was für ein Mensch wären Sie, wenn Sie sich erlauben würden Gefühle zu zeigen? Entscheiden Sie sich bewusst, den Widerstand loszulassen. Entscheiden Sie sich Ihr inneres Glück finden zu wollen. Sie allein sind für Ihr Glück verantwortlich. „Das Glück wohnt in uns!“  Unser Glück und unsere Überzeugungen werden zur Wirklichkeit. „Sie sind das Licht der Welt!“ sagt Eckhart Tolle seinen Zuhörern, „nur wer bin ich schon, dass ich von mir glauben könnte, ich sei das Licht der Welt?“ Wer sind Sie schon? Sind wir es nicht gewohnt unser Licht unter den Scheffel zu stellen? Stellen Sie es endlich auf den Tisch.
Ihre Antworten werden intuitiv generiert. Nehmen Sie JETZT das Praxisbuch zur Hand, lesen die Struktur der Inneren-Dialog-Methode   und starten Sie JETZT Ihre Befragung. Die Antworten werden aus dem Nichts auftauchen, wenn Sie aufhören zu verdrängen. Gönnen Sie sich diese wertvolle reflexive Zeit, um achtsam auf Ihre intuitiven Antworten zu warten. Sobald Sie Ihre Antworten haben, werden Sie die dazu assoziierten Gefühle wahrnehmen. Sie fühlen bewusst durch die Lenkung Ihrer Aufmerksamkeit Ihre Gefühle und dadurch werden Sie eine neue Gefühlsqualität in Ihren Beziehungen erfahren. Martina, 35 J., hatte ihre Probleme solange verdrängt, bis ihre Tochter auf die Welt kam. Sie erzählte mir, dass sie bis zur Geburt ihrer Tochter ein relativ glücklicher Mensch war. Die Geburt ihrer Tochter hat das Verdrängungsmuster deaktiviert. Plötzlich war sie ihren Gefühlen ausgeliefert. Sie litt Qualen, weil sie ihre Liebe zu ihrer Tochter spürte, ihr jedoch keine Liebe geben konnte. Sie selbst hat in der Kindheit keine Liebe erhalten. Verdrängte Gewalterfahrungen kamen plötzlich hoch. Sie war voller Hass und Rachegefühle ihren Eltern gegenüber. Der einzige Halt, den sie früher hatte, waren ihre Großeltern. Demnach hatte sie wertvolle Ressourcen. Sie wusste nicht, wie sie mit den plötzlichen aufkommenden Hassgefühlen gegenüber ihren Eltern umgehen sollte. Im Inklusionsprozess wurden die verdrängte Gewaltanteile aufgearbeitet und ihre Sichtweise auf die Vergangenheit im Reframingprozess erfolgreich verändert. Nach der Inneren-Dialog-Methode  und einigen Glaubenssatzänderungen konnte sie die radikale Selbstverzeihung fühlen und auch ihren Eltern vergeben und dadurch ihre Liebe zu ihrer Tochter endlich frei ausleben: „Ich weiß nun, dass ich und meine Tochter es verdient haben, glücklich zu sein. Ich werde alles tun, damit es so bleibt.“
Jedes negative Reaktionsmuster kann reframt werden. Ein starkes Verdrängungsmuster braucht dennoch immer wieder den äußeren Impasse. Es besteht die Gefahr, dass die bereits besprochenen Dinge wieder verdrängt werden. „Wer lernt ändert sich. Wenn wir wirklich Neues lernen, bleiben wir nicht genau dieselben …“  Das Gehirn lernt immer, es ist nur darauf zu achten, was und wie es lernt. Wer ein Verdrängungsmuster hat, glaubt vielleicht nicht an einen inneren Widerstand. Der erste Schritt besteht darin, sich für einen Moment bewusst zu machen, dass überhaupt ein Verdrängungsmuster vorhanden ist, um anschließend zu beobachten, wo, wie und wann dieses aktiv ist. Kein Mensch mit einem Verdrängungsmuster wird sich lange mit einem Thema beschäftigen, das ihm unangenehm ist. Er wird sich ablenken, um nicht zu fühlen, dass etwas nicht stimmt. Dennoch wird das unstimmige Gefühl ein Indikator bleiben.
„Für jeden ist das einzig Wichtige auf der Welt sein eigenes Innerstes.“  Sollten Sie ein Verdrän-gungsmuster haben, dann entscheiden Sie sich, es zu deaktivieren. Spüren Sie, wie es ist, wenn Sie Ihre Konzentration auf sich selbst lenken und Sie sich im Hier und Jetzt zentrieren. Selbst wenn es nur zehn Minuten sind. Tun Sie es. Fühlen Sie, was Sie gerade fühlen. Sie werden in den zehn Minuten neue Gefühle entdecken; die Energie fließt dahin, wo Ihre Konzentration ist. Ist Ihre Konzentration bei den Gefühlen, dann werden Sie Ihre Gefühle fühlen und nicht verdrängen. Werden Sie auf weitere zehn Minuten neugierig. Bleiben Sie offen und neugierig, was passiert. Auf diese Weise könnten Sie Ihren Widerstand überlisten und Sie erhalten von Mal zu Mal einen besseren Zugang zu Ihren Gefühlen und Bedürfnissen.
„Deine Zeit ist begrenzt. Deshalb verschwende sie nicht, dass Du das Leben anderer lebst. Lass Dich nicht in die Dogmenfalle locken – was nichts anderes bedeutet, als sich nach dem Denken anderer auszurichten. Lass Deine eigene innere Stimme nicht von der Lautstärke anderer Meinungen übertö-nen. Am Allerwichtigsten: Habe den Mut, deinem Herzen und Deiner Intuition zu folgen. Diese wissen schon, was Du wirklich aus Dir machen willst. Alles andere ist zweitrangig …“
Falls Sie nach der Lektüre ahnen oder denken, dass Sie ein Verdrängungsmuster unbewusst aufgebaut haben, dann stellen Sie sich passende Fragen zu Ihrem Verhalten.  Sie wissen, wie Sie sind. Geben Sie nicht anderen die Schuld, dass Sie so sind, wie Sie sind. Übernehmen Sie die Verantwortung für Ihre Gefühle und für Ihr Leben. Sie haben auch die Verantwortung für Ihr Ver-drängungsmuster. Es geht im Leben nicht um Schuld. Verdrängen Sie die inneren Impulse und die inneren Stimmen nicht. Hören Sie auf Ihre innere Stimme. Sie will Ihnen schon lange etwas sagen. Machen Sie die Innenohren weit auf und hören Sie einfach mal einen Moment in Ruhe zu. Hören Sie auf Ihre inneren Impulse. Lassen Sie  sie einfach DA sein. Fühlen Sie, was ist. Das was ist, wird nicht bleiben. Gefühle sind wandelbar. Sie werden sich nach dem Inklusionsprozess in das Gefühl von inneren Wohlstand und Freiheit verwandeln. Hören Sie auf Ihre innere Stimme, die vielleicht sich wünscht, nicht mehr zu verdrängen, sondern gehört zu werden. Welches Bedürfnis von hoher emotionaler Wichtigkeit, kommt in Ihnen zu kurz?
Die im Folgenden zusammengestellten dreizehn hypothetischen Fragen könnten Sie unterstützen, Ihre kongruenten Antworten zu finden. Entdecken Sie mithilfe dieser Anregungen Ihre richtigen Fragen. Vergessen Sie Ihre Frage nicht. Das Vergessen ist die größte Fähigkeit eines erfolgreichen Verdrängungsmusters. Kommen Sie immer wieder bewusst zu Ihren Fragen zurück. Hören Sie niemals auf zu fragen. Der, der fragt, der führt, bleibt flexibel und gewinnt.

  1. Mussten Sie in der Vergangenheit immer stark sein, obwohl Sie sich schwach fühlten?
  2. War die Liebe Ihrer Eltern an Anpassung gekoppelt?
  3. Sind Sie für Ihre Eltern immer noch das süße Kleinkind?
  4. Können Ihre Eltern, vielleicht auch nur ein Elternteil, Sie nicht loslassen?
  5. Sind Sie innerlich wütend, dass Sie nicht die Kompetenz haben, Ihr eigenes freies Leben zu führen?
  6. Haben Sie ein schlechtes Gewissen, weil Sie den Drang haben, von allen Erwartungen frei zu sein?
  7. Haben Sie Angst vor der Stärke Ihres Partners?
  8. Was hindert Sie, Ihre Probleme zu lösen?
  9. Wie gehen Sie mit Konflikten um? Sprechen Sie diese direkt an oder kehren Sie Ihre Konflikte unter den Teppich?
  10. Fällt es Ihnen schwer zuzugeben, dass Sie Fehler machen?
  11. Haben Sie Angst andere Menschen könnten Sie aufgrund Ihrer Gefühle negativ bewerten?
  12. Haben Sie Angst vor der Liebe?
  13. Haben Sie Angst ausgelacht oder ungerecht bewertet zu werden?

Verstehen Sie diese Fragen als Impasse zu Ihrer Befreiung. Hören Sie auf, alles, was sich nicht gut anfühlt, zu verdrängen. Es gehört sowieso zu Ihnen. Entwickeln Sie eine inklusive Haltung. Schließen Sie die Dinge, die nicht sein dürfen, wieder in Ihr Bewusstsein ein. Machen Sie Ihre Schubladen auf und schauen Sie hinein!


Stellen Sie sich Folgendes vor: Sie stehen zum ersten Mal auf einem zehn Meter Turm. Nicht Schwimmen stellt für Sie ein Problem dar, sondern das Springen. Tun Sie es! Springen Sie! Sie können es. Was verlieren Sie, wenn Sie nicht springen? Was bedeutet es für Sie, wenn Sie springen? Denken Sie bitte fünf Minuten darüber nach, bevor Sie weiterlesen.
Wenn Sie die Antwort wissen, dann reden Sie mit einer Vertrauensperson über Ihre Gefühle und über Ihre unerfüllten Bedürfnisse. Wenn Sie etwas aus Ihrer Vergangenheit wissen wollen, reden Sie mit ihren damaligen Bezugspersonen darüber, machen Sie ihnen jedoch keine Vorwürfe. Es ist nur wichtig, dass Sie sich Ihrer Vergangenheit bewusst werden, um sie loslassen zu können. Lernen Sie den Vorteil aus Ihrer Vergangenheit zu verstehen. Konzentrieren Sie sich auf die Vorteile und auf Ihre Stärken. Dadurch Stärken Sie die Stärken und schwächen Sie die Schwächen. Vorwürfe verletzen unnötigerweise. Ihre Bezugspersonen haben aus ihrer Sicht damals richtig gehandelt. Sie haben mit ihrer besten Option gehandelt. Sie wussten es nicht besser. Hätten sie es besser gewusst, hätten sie die bessere Option gewählt. Jeder wählt immer seine beste zur Verfügung stehende Option. Heute zählt das Hier und Jetzt. Akzeptieren Sie das Hier und Jetzt und verändern Sie Ihr Gefühl im Hier und Jetzt, indem Sie sich selbst für Ihre Vergangenheit vergeben und sich nur noch für die Vorteile daraus entscheiden. Würden Sie wissen, was Trauer ist, wenn Sie nie Trauer erfahren hätten? Können Sie heute dadurch nicht viel empathischer sein, gerade weil Sie wissen, wie sich Herzschmerz anfühlt? Bekämpfen Sie nicht die Wirklichkeit. Sie ist, so wie sie ist. Daran können Sie nichts ändern. Verändern können Sie Ihre Sichtweise auf die Vergangenheit und auf die heutige Wirklichkeit im HIER UND JETZT, indem Sie Ihre Glaubenssätze reflektieren und sie konsequent lebensbejahend verändern.


7.2.4.4    Das Verurteilungsmuster
Das Verurteilungsmuster ist nach meiner Einschätzung das am weitesten verbreitete Reaktionsmuster in unserer Gesellschaft. Unsere Leistungsgesellschaft konditioniert Menschen auf dieses glückshemmende negative Reaktionsmuster. Ich bin in meinem Leben nur sehr wenigen Menschen begegnet, von denen ich sicher weiß, dass sie kein inneres (heimliches) und äußeres (offensichtliches) Verurteilungsmuster besitzen. Das Verurteilungsmuster steht in direktem Zusammenhang zu der Angst vor Unterlegenheit, also der Angst, von anderen herabgesetzt zu werden. Das Verurteilungsmuster beherbergt unzählige, unreflektierte Vorurteile, die dazu führen, dass wir innerlich und äußerlich wie am Fließband verurteilen.
Ein Mensch mit einem starken äußeren Verurteilungsmuster zeigt mit einem offensiven Aggressionsverhalten den anderen offenkundig ihre angebliche Schuld. Sie sind cholerisch veranlagt und benötigen in Wirklichkeit höchste Zuwendung und Empathie, die sie allerdings nicht uneigennützig annehmen können, schon gar nicht von den Menschen, die sie gering schätzen. Die anderen machen alles falsch und sind im Unrecht. Diese Menschen haben die Haltung: „Ich bin o. k. – Du bist nicht o. k.“ Andere werden verachtet, während sie selbst sich auf den Sockel stellen und sich zum Ideal küren. Wer Wut oder Rache hegt, hat ein rigides Aggressions- und Rachemuster und ist vollständig von seinen organismischen Tendenzen und Bedürfnissen abgeschnitten. Wenn er wüsste, was er wirklich fühlt und braucht, dann könnte er konkrete Handlungs- oder Beziehungsbitten  aussprechen, um seine innere Not auf eine lebensbejahende Art und Weise zu lindern.
Menschen mit einem inneren Verurteilungsmuster verurteilen gedanklich andere Menschen, um sich selbst besser und kompetenter zu denken. Die innere Verurteilung (der innere Dialog) richtet sich aber auch gegen sich selbst und das führt mit der Zeit in einen depressiven Zustand. Menschen mit verurteilenden inneren Dialogen haben die Haltung: „Ich bin nicht o. k. – Du bist o. k.“ Das innere Kind (Resignationsmuster und Opfermuster) wird von ihm getadelt und rau behandelt, wenn es, nach der Bewertung der kritischen Instanz in ihm, etwas falsch gemacht hat. Der ausgrenzende Glaubenssatz lautet: „Ich mache alles falsch. – Ich bin wertlos. Wenn jemand das mitbekommt, dann werde ich ausgelacht, noch mehr verachtet und unterdrückt.“ Diese Menschen haben ein mangelhaftes Selbstwertgefühl und kein Vertrauen in ihre Fähigkeiten. Es fehlt ihnen auch das Bewusstsein zu ihren Fähigkeiten. Sie denken, alles was sie tun, ist nicht gut genug. Weil sie sich selbst nicht genügen, kämpfen sie ihr Leben lang um Anerkennung, indem sie mehr leisten, als ihnen gesundheitlich gut tut.
Der Zwilling des Verurteilungsmusters ist das Anerkennungsmuster. Ein inneres Verurteilungsmuster akzeptiert in Kooperation mit dem Anerkennungsmuster keine Niederlage. Mit einer Niederlage werden der erzielte Erfolg und der eigene Wert infrage gestellt. Das ganze Handeln eines inneren Verurteilungsmusters ist auf Anerkennung ausgerichtet. Das beobachtete erstaunliche Phänomen dabei ist, dass diese Menschen, wenn sie die Anerkennung tatsächlich unerwartet erhalten, sie diese nur schwer aushalten. Anstatt zu genießen und sich zu freuen, wird sofort negativ reframt: „Die sagen das doch nur so! Ich habe gar kein Glück verdient! Was habe ich schon geleistet?“ Ein Mensch mit einem inneren Verurteilungsmuster ist innerlich so ausgerichtet, die Forderungen anderer hundert Prozent zu erfüllen, um geliebt zu werden. Sie wissen sehr genau, was andere brauchen, aber sie wissen nicht, was sie selbst brauchen. Dazu fehlen die Verschaltungen im Gehirn, weil sie auf Leistungserfüllung eingestellt sind. Demnach ist das Verurteilungsmuster oft mit einem penetranten Leistungs- und Moralmuster gekoppelt. Hätten wir einen Grund andere und uns selbst so radikal zu verurteilen, wenn wir kein Leistungs- und Moralmuster hätten? Diese Menschen fühlen sich frustriert, weil sie spüren, dass der hohe Leistungseinsatz, für ein bisschen Anerkennung, sie nicht wirklich erfüllt. Sie spüren, dass etwas nicht stimmt, wissen aber nicht wirklich, was mit ihnen los ist oder was sie so unzufrieden stimmt. Sie denken sich daher innerlich andere Menschen schlecht, um auf diese Weise die große innere Leere und Unzufriedenheit zu stopfen.


Menschen mit einem inneren Verurteilungsmuster entwickeln besonders bei Personen, die ihnen unterlegen sind, zusätzlich ein äußeres Verurteilungsmuster (Machtmuster). Endlich können sie ihre Macht der Überlegenheit auskosten. Dieses Verhalten wird oft auch schon bei Kindern beobachtet. Sie geben den Druck, den sie erhalten haben, an Schwächere ab. Sie haben die Haltung: „Ich bin nicht o. k. – Du bist nicht o. k.“ Personen mit dieser Grundhaltung mobben und diskriminieren, um so ihren Minderwertigkeitswert zu überspielen. Sie haben in Wirklichkeit große Angst ihr Gesicht zu verlieren, weil die äußere Stärke inkongruent zur inneren Stärke ist. Menschen mit innere Stärke haben keine Angst vor ihrem wahren Gesicht!


Demgegenüber sind Menschen mit der Haltung „Ich bin o. k. – Du bist o. k.“ vorurteilsbewusst. Sie reflektieren über ihr Verhalten. Das ist entscheidend. Es geht nicht darum, dass wir uns verurteilen, nur weil wir aufgrund eines unbewussten negativen Reaktionsmusters verurteilend reagierten. Es geht darum, dass wir bereit sind, darüber zu reflektieren. Reflektierte Menschen besitzen ein starkes Erwachsenen-Ich (liebevollen Erwachsenen) und ein fürsorgliches Eltern-Ich.  Sie führen ein selbstbewusstes (sich über die Gefühle und Bedürfnisse bewusst sein) und stimmig-authentisch Leben und sie verbergen ihre Schwächen und Verletzlichkeit  nicht. Sie beschreiben das, was sie denken und fühlen, ohne zu diskriminieren.
Die Reflexion des inneren und äußeren Verurteilungsmusters bringt innere Freiheit. Müssen wir andere innerlich plötzlich nicht mehr verurteilen, kann sich das sehr entlastend und befreiend anfühlen. Ich bin mir sicher, dass Sie schon beim Lesen dieser Zeilen die Entlastung spüren können. Es lohnt sich, über Vor-ur-teile zu reflektieren: Ohne Vorurteile haben Sie einen Vorteil.  Das innere wie das äußere Verurteilungsmuster loszulassen, führt zu einem neuen Selbstwert und zu einem neuen Lebensgefühl sowie zu neuartigen Verbindungen zu sich selbst und zu anderen Menschen.


7.2.4.5    Das Schutzmuster
„Müssen wir uns nicht alle irgendwie vor der Welt schützen? Ein gewisser Schutz ist gesund! Es muss nicht jeder wissen, was ich fühle!“
Das Schutzmuster ist der persönliche mit viel Mühe aufgebaute mentale und psychische Schutz, damit andere den nackten Bedürfniskern nicht erkennen. Über das Schutzmuster (Vernunftmuster) schützen wir uns vor Verletzungen, Angriffen, Ausgrenzungen, Diffamierungen, vor den Blicken anderer, vor deren scheinbaren Übermacht und Überlegenheit Mit diesem Schutzmechanismus können wir uns so gut schützen, dass wir selbst nicht mehr wissen, wer wir eigentlich sind. Wir können uns so schützen, dass wir den Schmerz nicht mehr fühlen. Besonders Männer sind vom Gefühls-Analphabetismus betroffen (Alexithymiemuster = Gefühlsblindheit). Eine finnische Studie vermutet sogar, dass 17 Prozent der Männer alexithyme (gefühlsblinde) Menschen sind, die starke Emotionen nicht verarbeiten können und deshalb lassen sie Gefühle erst gar nicht zu.


Menschen mit einem hohen Schutzmuster sind kopfgesteuerte Menschen. Sie sind über die Vernunft fixiert, um den Gefühlsschmerz nicht zu fühlen. Hinter dem Schutzmuster steckt die Angst vor Bloßstellung. Etwas in mir ist nicht in Ordnung, und das sollen die anderen nicht erfahren. Menschen mit schlechten Erfahrungen haben häufig die Überzeugung, diesen immanenten Schutz zu benötigen. Der Schutz eines Geheimnisses oder der Privatsphäre ist nicht gleichzusetzen mit dem Schutzreaktionsmuster. Menschen, die stark enttäuscht wurden, schützen sich oft mit einem rigiden Schutzmuster vor weiteren Verletzungen. Sie bevorzugen das gefühlsarme Leben, weil sie glauben damit besser zu überleben. Anscheinend wird nach den neuesten Erkenntnissen der Hirnforschung ein Bereich im Frontalhirn aktiv,  das die Gefühle aus dem Limbischen System abblockt. Traumen können diesen Bereich wieder deaktivieren, so dass die Menschen plötzlich wieder sich ihren Gefühlen ausgeliefert fühlen. Ein Mann, der gegenüber seiner Frau nie Gefühle zeigte, reagiert bei Trennung plötzlich mit einem Überschwall von Gefühlsausbrüchen, was für beide Seiten befremdlich wirkt und was ihm gleichzeitig große Angst bereitet. Ist das Trennungstrauma überwunden, kommt die Blockade zurück und die Menschen fühlen sich scheinbar wieder wohler. Dennoch sind sie nicht glücklich, weil sie keinen authentischen Zugang zu ihren Gefühlen haben. Das Schutzmuster verhindert erfolgreich diesen Zugang. Das Innerste auszuleben, ist ein elementares Grundbedürfnis. Wird dieses Grundbedürfnis durch selbst konstruierte Blockaden und negative Reaktionsmuster vernachlässigt, dann entwickeln Menschen unglaubliche energieraubende Strategien, um sich dieses Grundbedürfnis doch noch irgendwie zu erfüllen. Die Aufrechterhaltung dieser Strategien (Leistungsmuster, exzessives Helfersyndrom, Anpassungsmuster …) kostet diese Menschen sehr viel Kraft und Lebensfreude. Authentisch zu sein und zu leben fühlt sich hingegen leicht, zufrieden und schwerelos an. Welches Leben bevorzugen Sie? Sie haben die Wahl und die Entscheidung. Glück ist eine Entscheidung.
Menschen bauen Mauern auf, um sich vor Angriffen, aber auch vor ihren eigenen Gefühlen zu schützen. Sie engt aber gleichzeitig ein und nimmt den Menschen die Leichtigkeit und die Luft zum Atmen. Die Freiheit ist eingekerkert und angekettet. Dem Stärkegrad der unbewussten negativen Reaktionsmuster entsprechen die Stärken der inneren Ketten. Wir spüren bewusst und unbewusst die Ketten und die Mauern um uns herum, weil unsere Selbstaktualisierungstendenz dadurch unterbunden wird. Der Zwilling des Schutzmusters ist das Misstrauensmuster. An der Physiologie lassen sich viele Eigenschaften ablesen. Diese Menschen runzeln oft die Stirn, verneinen, schauen ängstlich, skeptisch, entsetzt, schweigen, haben eine gebückte Haltung, keine Spannung im Körper, keine Kraft im Händedruck  u. a. Sie sind in besonderen Misstrauensmomenten wortkarg oder voller Argwohn. Zum Teil haben Aussagen oft eine Brise Kühnheit und Ironie. Diese Menschen haben Schwierigkeiten mehrere Perspektiven einzunehmen, da eingleisige Denkweisen ihr Verhalten lenken. Sie sind problem- und weniger lösungsorientiert. Es fehlt ihnen das Grundvertrauen in sich selbst und in andere. In bestimmten sensiblen (verliebten) Momenten trauen sich die Menschen mit meinem starken Schutz- und Misstrauensmuster ihren Schutz abzulegen. Jede gute Erfahrung bringt sie zurück zum Urvertrauen. Allerdings warten sie manchmal zu lange auf den optimalen Moment. Der richtige Augenblick wird aus Angst vor einer weiteren Enttäuschung häufig verpasst. Zerbricht eine neue Beziehung, bestätigt dies wiederum ihre Überzeugung, ein Schutzmuster zu benötigen, und sie rüsten ihren Schutz noch weiter auf.
Die Perspektive, ungeschützt und authentisch zu leben, ist für die Menschen mit einem rigiden Schutz- und Misstrauensmuster kaum vorstellbar. Der Glaubenssatz: „Das Leben ist schwer.“ dominiert. Wenn wir glauben, dass das Leben schwer ist, wird es sicherlich auch sehr schwer und schwerer und schwerer. Können Sie schon die Schwere spüren? Lassen Sie es so schwer werden, bis es wieder leicht wird. Nehmen Sie dem Leben die Schwere. Nehmen Sie sich nicht allzu ernst mit ihrem Schutzmuster. Das Leben ist leicht. Einfach TUN, dann ist es einfach.


Sollten Sie denken, dass Ihr Schutzmuster über das gesunde Maß hinausgeht, dann stellen Sie sich  passende Erkenntnisfragen: „Was passiert mit mir, wenn ich keinen Schutz habe? Komme ich mit den Gefühlsausbrüchen zurecht? Kann ich lernen Gefühle vor anderen zuzulassen? Wie wirke ich bei ande-ren, wenn ich Gefühle zulasse? Wie wirke ich ohne Gefühle? Wovor schützt mich eigentlich mein Schutz? Was gewinne ich ohne meinen Schutz?“ Menschen mit einem Schutzmuster brauchen die Erfahrung, dass Verletzlichkeit zu zeigen, Stärke ist!  Wir brauchen eine Gesellschaft, welche die Verletzlichkeit besonders von Männern anerkennt. Viele Männer zeigen ihre Verletzlichkeit  nicht, weil die Gesellschaft Schwachsein bei Männer noch weniger toleriert als bei Frauen und die Norm Starksein beim Mann gesellschaftlich introjeziert wird. Normen, die ins Unglück stürzen, sollten schleunigst hinterfragt werden. Schon bei der Erziehung muss darauf geachtet werden, dass Jungen wie Mädchen Gefühle zeigen dürfen. Wir brauchen ein neues Gefühls- und Bedürfnisbewusstsein und die erhalten wir nur über gute Bildungs- und Elternkontaktkonzepte.  Gefühle zu zeigen, ist das Natürlichste der Welt, weil es das Menschlichste an uns Menschen ist.


7.3    Widerstände lösen
Negative Reaktionsmuster haben eine Schutzfunktion. Sie sind Bewältigungsstrategien für den harten Lebensalltag. Wer seine unbewussten negativen Reaktionsmuster gut kennt oder schon identifiziert hat, hat vielleicht Zweifel daran, ob es richtig ist, sie aufzugeben. Dem einen fällt es leichter, dem anderen schwerer. Etwas sträubt sich. Es war doch richtig bis jetzt, so wie es war, warum soll ich etwas verändern? Widerstände zu erkennen und zu lösen, wirkt zunächst wie eine unüberwindbare Aufgabe. Ausschlaggebend ist die innere Haltung. Halte ich es tatsächlich für unüberwindbar? Dann wird es unüberwindbar bleiben. Widerstände sind dann besonders resistent, wenn die identifizierten Reaktionsmuster nicht verabschiedet werden können, weil die Angst („Was kommt danach?“) größer ist, als die Spannung des Unbekannten. Eugen, 44 J., weiß, dass er ein Verdrängungsmuster hat. Dennoch, sagt er, wolle er es nicht aufgeben, weil es sich, hinter der Mauer damit besser leben lasse. „Diese Mauer habe ich mir mühsam aufgebaut, die nimmt mir keiner weg!“ Als ich ihn bat, sich zu zeichnen, wie er sich mit dem Verdrängungs- und Schutzmuster fühlt, malte er sich originalgetreu der folgenden Abbildung.


Ein anderes Beispiel erläutert, was passiert, wenn innere Widerstände gebrochen werden. Brigitte, 53 J., berichtete, dass die Erkenntnis über ihre negativen Reaktionsmuster, sie noch nicht dazu bewegte, ihrem Vater, der sie das Resignationsmuster zu verdanken hat, zu vergeben. Sie wisse nun, dass sie ihrem alt gewordenen Vater gegenüber ein latentes Aggressionsmuster habe. Er hat ihr ein Leben lang eingetrichtert: „Du bist nicht gut genug!“ Du kannst nichts!“ Heute bestrafe sie ihn für ihre vergangenen Verletzungen durch Missachtung. Rational habe sie zwar verstanden, dass es ihr besser gehen würde, wenn sie ihrem Vater vergeben könne, aber sie schaffe es nicht. Mittlerweile sei ihr Vater auf ihre Hilfe angewiesen. Anstatt vom gemeinsamen Miteinander zu profitieren, so bedauerte sie, würden sie sich mit gegenseitigen Beschuldigungen zerfleischen. „Das ist so schwer!“ klagte Brigitte. Meine Antwort lautete: „Solange Du denkst, dass es schwer ist, wird es schwer bleiben. Nur der Moment vor der Vergebung ist schmerzhaft. Den Moment der Vergebung hingegen erleben viele als Erleichterung und Befreiung. Keiner vergibt für ein und dasselbe Vergehen zweimal.“ Als Brigitte Wochen später wieder zu mir kam, berichtete sie, dass sie ein klärendes Gespräch mit ihrem Vater geführt hätte. Sie hätte ihrem Vater alles was ihr am Herzen lag, nach Jahren der Zerrissenheit, mit offenen Herzen gesagt, und er hätte geduldig zugehört. „So ist es nie gemeint gewesen“, bereute der bestürzte Vater. Zur Vergebung hätte ihr das Coaching der radikalen Selbstverzeihung geholfen: „Verzeihe Dir selbst, dass Dir das angetan wurde!“ Ihren neuer Glaubenssatz reframte sie entsprechend: „Ich vergebe, weil ich mich liebe und glücklich bin.“ Das Gespräch mit ihrem Vater war selbstheilend. Mit einem strahlenden Lächeln sagte sie: „Seit diesem Zeitpunkt geht es mir blendend! Ich hätte nie gedacht, dass es so einfach ist, frei zu sein.“ Brigitte hat mit ihrem Widerstand gekämpft und ihn überwunden. Die Not war größer als der Widerstand. Es gibt Menschen, die große Widerstände haben, und es gibt Menschen, die sofort bereit sind, etwas zu verändern. Sobald sie ihre Widerstände und ihre negativen Reaktionsmuster kennen, wollen sie unverzüglich handeln.
Innere Widerstände werden an Unausgeglichenheiten, Ambivalenzen, Verdrängungsmechanismen, Verwirrungen, ohnmächtige Wut, Rachestrategien u. a. negativen Reaktionsmustern erkannt. Sie spüren, dass sie unglücklich und unzufrieden sind und gleichzeitig verspüren sie eine große Sehnsucht nach Versöhnung und Glück. Inneren Widerstände scheinen unüberbrückbar, weil Glaubenssätze wie: „Ich brauche diesen Schutz, ansonsten gehe ich in dieser Welt zugrunde.“ das Sagen im limbischen Bewertungssystem haben. Ich stelle die These auf, dass diese Menschen deshalb innerlich zugrunde gehen, weil sie die Schutzfunktion ihrer negativen Reaktionsmuster aufrechterhalten.
Stellen Sie sich vor, was Sie alles verpassen, wenn Sie Ihren Widerstand aufrechterhalten und wenn Sie weiterhin für Ihre negativen Reaktionsmuster bewusst und unbewusst kämpfen. Der Moment, an dem sie aufhören, zu kämpfen, ist der Auflösungsmoment Ihres Musters. Stattdessen wird der Weg zu Ihrem Bedürfniskern – Selbstannahme und Selbstliebe – frei. Es passiert dann, wenn wir aufhören zu kämpfen, um so sein zu wollen, wie andere es von uns erwarten. Erörtern Sie die Kontroverse: ein Leben mit bewussten und unbewussten positiven Reaktionsmustern oder ein Leben mit bewussten und unbewussten negativen Reaktionsmustern. Welcher Mensch wären Sie auf der einen und welcher auf der anderen Seite? Brechen Sie durch diese Klarstellung Ihren Widerstand. Welches Leben könnten Sie führen, wenn Sie Ihren Widerstand aufgeben?
   
Leben Sie ein Leben ohne Maske! Das Leben ohne Maske befreit Ihr Gesicht und macht Sie weniger angreifbar. Viele glauben, dass das Gegenteil der Fall ist. Aber das stimmt so nicht. Wer anderen mit Gesicht begegnet, hat große Chancen auch das echte Gesicht des anderen, ohne die immanenten Reaktionsmuster, zu Gesicht zu bekommen. Das ist Empathie und wahre Begegnung. Manche haben sich so an ihre Maske gewöhnt, dass sie glauben, die Maske selbst zu sein. Verzichten Sie ab heute auf die Maske und zeigen Sie der Welt Ihr maskenloses freies Gesicht.

Muster der Zeit