Donnerstag, 21.09.2017

7 Unbewusste Reaktionsmuster

7.1    Was sind unbewusste Reaktionsmuster?

Das was wir erleben, beeinflusst unser Denken, unsere Gefühle und Handlungen. „Wir können uns selbst von gesellschaftlicher Konditionierung befreien.“  Rosenberg fordert auf: „uns selbst zu befreien und andere (dabei zu) unterstützen.“  Unbewusste Reaktionsmuster sind gesellschaftliche Konditionierungen, die als somatische Marker  im Gehirn repräsentiert sind. Sie sind Verhaltensmuster-programme mit einem integrierten automatischen Selbstläufer, die direkt aus dem limbischen System angetrieben sind. Sie sind erlernte Gedankenmuster, Strategien, Verhaltens-, Handlungs- und Haltungsmuster, die wir brauchen, um unser Leben zu bewältigen. Sie sind entweder positiv oder negativ beeinflusst. Besonders die negativen Reaktionsmuster behindern unsere Entfaltung, weil sie wie auferlegte Ketten oder wie unüberbrückbare Mauern wirken. Diese wirken wie innere Schatten auf unsere Gedanken und auf unseren emotionalen Körper ein. Innere Schatten verdunkeln unsere Lebensqualität. Die inneren Schatten über die Neokortex aufzuspüren und sie in ein inneres Leuchten zu verwandeln, ist emotionale innere Freiheit.


Unbewusste Reaktionsmuster sind keine spontanen Triebe, sondern immer mit reaktiven Gedanken und Gefühlen verbunden. Die Schemata der Reaktionsmuster werden schon in den ersten Monaten unseres Lebens entwickelt und bleiben lebenslang im emotionalen Körpergedächtnis aktiv. Ein Schema ist eine zusammenhängende gut verschaltete Struktur von Reaktionen, das auf bestimmte Reize/Auslöser anspringt. Zieht ein Person die Augenbrauen zusammen, interpretieren wir, dass diese Person böse oder genervt guckt. Wir hinterfragen selten, ob dies die Botschaft ist, die sie uns tatsächlich vermitteln wollte. Oft irren wir und verrennen uns in den grausigsten Interpretationen, weil unsere Verschaltungen keine anderen Schlussfolgerungen zulassen! Die emotionale Ebene unseres Gehirns, das limbische System, ist immer schneller als unsere bewussten wohlwollenden Entscheidungen aus der Großhirnrinde. Haben Menschen in ihrer Kindheit stark vernetzte negative Reaktionsmuster generiert, weil ihre Startbedingungen suboptimal waren, dann leiden sie oft ein Leben lang darunter, sofern sie nicht aus ihrem Bewusstsein heraus dagegen steuern. Eine Persönlichkeit, die mit vielen negativen somatischen Markern (Reaktionsmustern) ausgestattet ist, ist im höchsten Maße unfrei. Die negativen Reaktionsmuster verhindern den freien Weg zu den eigentlichen Potenzialen. Diese Menschen sagen dauernd, dass das Leben schwer und hart ist, ohne zu merken, dass sie mit ihrer Haltung, sie es sind, die sich selbst das Leben heute schwer und hart gestalten. Die innere Realität (Bedürfniskern) ist mit schweren Steinen zugeschüttet, oder symbolisch ausgeschmückt, von hohen Mauern umgeben. Die harten Fälle sichern ihre Steine oder Mauern noch mit Ketten, damit keiner sie weg- oder einreißen kann.


Je nachdem, wie das innere Bewertungssystem kodiert ist, haben wir entweder mehr positive oder mehr negative unbewusste Reaktionsmuster. Über diese Kodierung gestalten sich unsere Fähigkei-ten, Glaubenssätze und Werte sowie die Identität und letztlich unsere Integrität. Von ihr hängt unsere reale innere Freiheit ab. Empfinden wir unsere innere Freiheit als nicht ausreichend, dann können wir aus unserem Bewusstsein heraus, etwas dafür unternehmen, dass sie sich entfalten kann. Als ein erster logischer Schritt, wird das gesamte Glaubenssatznetzwerk über das Bewusstsein untersucht. Was denke ich in bestimmten Situationen über mich? Bin ich eher positiv oder negativ gestrickt? 

Jeder kann aus der Kraft seiner inneren Freiheit heraus die inneren Ketten sprengen, die aufgebauten Mauern zertrümmern und die schweren Steine zermahlen. Die Zeit wie lange dafür gebraucht wird, ist individuell verschieden und abhängig von den verstrickten und voneinander abhängigen, zum Teil sehr gut verschalteten und deshalb auch rigiden unbewussten Reaktionsmustern. Diese sind aus irrationalen und limitierenden Glaubenssätzen, Überzeugungen, Annahmen und Fehlinterpretationen entstanden. Je nach Grad der Ausprägung und Verstrickung sind sie die Auslöser persönlicher Unfreiheit. Alle zusammengestalteten unbewussten positiven Reaktionsmuster bezeichne ich als das Glücksmuster einer Person. Alle unbewussten negativen Reaktionsmuster sind das Unglücksmuster einer Person. Besonders die negativen Reaktionsmuster sind tief in uns verwurzelt, weil sie durch ein emotional stark aufwühlendes Verletzungsgefühl entstanden. Sie dominieren, überraschen, überwältigen und können ab einem bestimmten Verschaltungsgrad oder nach traumatisierenden Erfahrungen die gesamte Persönlichkeit verändern (Negationsmuster, Depressionsmuster, Imitationsmuster …). Paul Watzlawick nennt Menschen, die mit ihren Mustern, Unglück provozieren: „Unglücksaspirant“.  Ein Unglücksaspirant atmet das Unglück ein. Vor lauter Unglück kann er das Glück, selbst wenn es in seinen Händen liegen würde, nicht sehen, hören, fühlen und finden.

In schwierigen Situationen kommen unsere hartnäckigen, limitierenden negativen Glaubenssätze zum Vorschein. Sie können uns ganze Tage verderben, den ganzen Urlaub und das ganze Leben. Glaubenssätze wie: „Ich habe es nicht verdient glücklich zu sein!“, „Ich habe es nicht verdient geliebt und gestreichelt zu werden!“ gehören dazu. Gunter Gabriel sagte diese Sätze beim Rückblick auf sein Leben und fügte hinzu: „Was habe ich schon getan? Ein Lied für drei Minuten geschrieben, mehr nicht!“ Heute hat er eine neue Sicht auf seine Vergangenheit. „Ich habe irgendwann verstanden, dass es das war, danach hatte ich immer Sehnsucht gehabt. Die Freiheit, alles selbst in der Hand zu haben. Aber wie Kris Kristofferson schon sang: ‚Freedom’s just another word for nothin’ left to loose’ – erst durch meinen Niedergang habe ich diese Freiheit gefunden.“

Achten Sie auf die Qualität Ihrer Glaubenssätze und auf Ihre positive Konnotation. Im Praxisbuch finden Sie Formate zu Glaubenssatzänderungen, die Ihnen wieder Ihrer Ressourcen bewusst machen. Glaubenssätze sind korrigierbar. Wir sind nicht für immer unseren Glaubenssätzen oder Reaktionsmustern verschrieben und ausgeliefert, weil wir uns aus der Fixierung durch Eigenaktivität und Selbstregulierung lösen können. Die Änderung eines einzigen dominanten Glaubenssatzes in eine positive Richtung hat Auswirkungen auf unser gesamtes Glaubenssatznetzwerksystem. Durch eine einzige neue Verhaltensalternative bzw. neue Verhaltenssteuerung kann ein ganzes Persönlichkeitsprofil nach und nach verändert werden. Diese bewusste Verhaltenssteuerung wird als Entwicklung erlebt.

„Was ich heute bin, ist ein Hinweis auf das, was ich gelernt habe, aber nicht auf das, was mein Poten-zial ist.“  Kennen Sie Ihre Potenziale? Wissen Sie, wie Sie an diese herankommen? Was hindert Sie daran, Ihre Potenziale zu finden? Wie lange wollen Sie diese noch vor Ihnen selbst und vor anderen versteckt halten? Wir selbst sind es, die uns daran hindern, unsere Potenziale zu finden, weil wir Angst haben, das Gelernte und Gewohnte loszulassen. Wir sind Gewohnheitswesen. Das Gewohnte gibt uns Sicherheit. Wir werden fast reflexartig immer wieder auf unsere unbewussten negativen Reaktionsmuster zurückgeworfen, weil diese uns seit der Kindheit vertraut sind und wir immer wieder Situationen manipulieren, die uns unsere Ausweglosigkeit bestätigen. Wir fühlen uns hilflos, unterwürfig, kritisiert, klein gemacht, gelähmt, wertlos und ungeliebt. Deshalb sind wir unglücklich, unzufrieden, gereizt, neidisch, eifersüchtig, wütend. Marianne, 34 J., sagte: „Vielleicht haben wir deshalb Angst davor, unsere negativen Strategien loszuwerden, weil wir dann mit dem Glück zu-rechtkommen müssten?“ Das Glücksempfinden ist ein unbewusstes Reaktionsmuster, aber ein Positives. Wer nicht gelernt hat, glücklich sein zu dürfen, hat es schwer mit dem Glückempfinden, obwohl es dennoch die größte Sehnsucht ist und bleibt. Wie kommen wir mit Glück zurecht, wenn wir ein Leben lang unglücklich waren? Sind wir für dieses Glück bereit?

Negative Reaktionsmuster haben viele Gesichter. Siehe den Ausschnitt der Wirklichkeit zusammengestellt in der Reaktionsmustertabelle.  Anerkennungssucht, Ablehnung, Abhängigkeit, Aggression, Einsamkeit, Empfindlichkeit, Eitelkeit, Ekel, Hilflosigkeit, Helfersyndrom, Perfektionismus, Unzufriedenheit, Opferhaltung, Scham, Schuld, Schutz, Spott, Verurteilung u.v.m.  Manche sind dominant, andere eher schwach oder nur im Hintergrund latent aktiv. Ein und dasselbe negative Verhaltensmuster (das was wir sehen) wirkt sich bei jedem Menschen (das was im Gehirn verschaltet ist) unterschiedlich aus. Beispiel: Egon (33 J) und Christian (36 J) sind zwei Personen aus meiner Einzelcoachingarbeit. Beide reflektierten über ihr Anerkennungsmuster. Egon hat ein Anerkennungsmuster, aber kein Imponiergehabe. Er holt sich seine Anerkennung über ein Helfer- und Rettermuster und vernachlässigt sich dadurch selbst. Egon erkannte, dass wenn er genug Selbstwert hat, er auch authentisch Nein sagen kann, ohne gleich befürchten zu müssen, ohne die Anerkennung der anderen wertlos zu sein. Christian hingegeben lebt sein Anerkennungsmuster über sein paralleles Angeber- und Machtmuster aus. Er stellt sich in jeder Situation in den Vordergrund und unterdrückt rücksichtslos Schwächere. Seine Mitmenschen wissen, dass sie kaum eine Chance gegen ihn haben und treten bewusst und unbewusst gar nicht erst in Konkurrenz zu ihm. Sie gehen ihm aus dem Weg und das spürt Christian, was ihm wiederum verletzt. Als Christian sein Anerkennungsmuster und auch den Grund für sein Verhalten über das Acht-Räume-Modell der Inklusiven Kommunikation erkannte, sagte er abschließend: „Ich weiß, ich bin auch ohne Machtausübung wertvoll. Ich brauche die Anerkennung nicht!“ Er veränderte innerhalb kürzester Zeit sein Leben und befreite sich von seinem hartnäckigen Muster, dass nur noch ab und zu, wie er sagt, in Konkurrenzsituationen, angefahren wird. Er hat nun auch wieder mehr Freunde als früher. „Ich bleibe an diesem Thema dran, bis es ganz aufgelöst ist. Ich habe erkannt: Ohne lebt es sich viel freier, glücklicher und gelassener.“

Unglücksmuster sind Glückverhinderungsmuster. Glauben Menschen nicht an ihre Befreiung, dann nur, weil ihre Selbstverurteilungen, Interpretationen, Bewertungen, Vorurteile und Glaubenssätze sie daran hindern. Sie verhindern, dass sie sich innerlich frei und glücklich fühlen. Sich im Herzen frei zu bewegen, heißt unsere innere SchatztRUHE zu finden. Alle stimmig-authentischen Gefühle wie Traurigkeit, Enttäuschung, Niedergeschlagenheit, Glück, Freude, Gelassenheit werden anerkannt und zugelassen.  Es bedeutet, die Wollknäuelgefühle  wie Wut, Hass, Rache, Ärger, Neid, Schuld, Scham zu entknäueln, um die Lebendigkeit der natürlichen Gefühle zu spüren, damit wir erkennen, was unser Bedürfniskern braucht. Was ist real in mir?

Der antike Tempel des Apollon in Delphi trägt die Inschrift: „gnothi seauton“, was sinngemäß übersetzt, bedeutet: „Erkenne Dich selbst!“. Wer frei sein will, stellt sich der Aufgabe, sich selbst zu erkennen und zu finden. Das Sprungbrett zur Freiheit ist die Selbsterkenntnis. Menschen mit Glückverhinderungsmustern flüchten, verdrängen, verurteilen, bewerten und interpretieren, um ihre Defizite zu kompensieren. Sie leben und kosten bitter so ihr Unglücksmuster aus. Sie sind inner-lich verknotet, verbohrt und blockiert. Die Energie kann nicht frei fließen. Nur freifließende Energie bringt Wohlbefinden und Glück; blockierte Energie bringt psychosomatischen Druck und Krankheit.

Unbewusste negative Reaktionsmuster sind individuelle emotionale Gefängnisse oder noch dramati-scher ausgedrückt eine Form von innerer Sklaverei. Durch jede neue positive Erfahrung befreien wir uns von der emotionalen Sklaverei hin zur emotionalen Freiheit. Durch jede Erfahrung, bei der wir uns unseren Ängsten stellen, gewinnen wir zunehmend mehr innere Stärke, Gelassenheit und Selbstvertrauen. Mit jedem Schritt in die richtige Richtung bauen wir unsere Selbstberuhigungskompetenz aus. Wer sich auf seine Fähigkeiten und Stärken konzentriert, wird eher in der Lage sein, dass zu tun, worüber er denkt, dass er es nicht kann. Die Überzeugung, es dennoch zu schaffen, versetzt oft innere Berge. Die Menschen bekommen immer mehr eine Ahnung, wie sie wären, wenn sie ohne Muster und ohne Angst wären. Wer trotz seiner noch aktuellen Ängste offen, achtsam und bereit ist, sich seinen unbewussten negativen Reaktionsmustern zu stellen, wird schnell an deren Bewusstheit herankommen und sie reframen können. „Ach deswegen verhalte ich mich so? War mir gar nicht klar. Jetzt kann ich das Problem auch ganz anders angehen.“ Solche Standardsätze höre ich oft in meinen Seminaren, Team- und Einzelcoachings. Wer den Willen hat, sich sein Unbewusstes zunächst vorbewusst (Intuition) und in der Folge bewusst zu machen, hat perfekte Voraussetzungen, seine unbewussten negativen Reaktionsmuster zu identifizieren, um diese bewusst und nachhaltig zu verändern, evtl. sogar mit einem sofortigen Wirkungsreframing. Drücken Sie sich selbst die Daumen. Glauben Sie nicht nur an andere, sondern auch an sich.

Sind wir unglücklich, dann geben wir anderen die Schuld, um uns wenigstens für den Moment inner-lich wohler zu fühlen. Wer durch Ursprungsmuster, den irrationalen Glaubenssatz hat, dass er wertlos sei, wird alles Erdenkliche unternehmen, um dieses wertlose Gefühl immer wieder aufs Neue mit den erlernten Strategien zu kompensieren. Auf Dauer macht dieses Verhalten krank, depressiv, unzufrieden und aggressiv, weil es ein sehr ausgrenzendes Verhalten gegenüber sich selbst und anderen ist. Der wahre innere Bedürfniskern wird übergangen und ausgegrenzt. Inklusion heißt, ihn zu erkennen, dass er da ist und dass er mehr zu bieten hat, als diese erlernten negativen Muster. Der Bedürfniskern ist intuitiv und heilsam. Wir selbst sind unsere Heiler. Wer alle Stimmen des inneren Teams zu Wort kommen lässt, die den Bedürfniskern bekämpfen, der sorgt für sein inneres Gleichgewicht und für sein inneres Glück. Alle Energien in uns wollen anerkannt werden. Elena, 32 J., sagte im Einzelcoaching: „Ich kann nicht schimpfen!“ Sie hatte ein Bravsein-Mädchenmuster. Ihre Handlungsbitte an sich selbst (Selbstcommitment) formulierte sie wie folgt: „Ich erlaube mir das Schimpfen.“ Alle Energien in uns haben ihre Berechtigung. Nur durch Zulassen und Annahme werden sie reframt und neue positivere Reaktionsmuster können zugelassen und generiert werden, die mehr Wohlbefinden in uns erzeugen.

Individuelle Reaktionsmuster manifestieren sich in den unterschiedlichsten Formen und Ausprägun-gen in unserem neuronalen Netzwerk. Hinter unbewussten positiven Reaktionsmustern entfaltet sich klar und sanft die Liebe aus unseren Kooperations- und Bedürfniskern.  Deshalb werden positive Menschen immer positiver. Sie finden schneller einen Ausweg im Irrweg des Lebens. Mit den positiven Reaktionsmustern nehmen wir den direkten Weg zum Glück. Hinter unbewussten negativen Reaktionsmustern verbirgt sich im Kooperations- und Bedürfniskern ebenso die Liebe. Sie sind aber der indirekte Weg zum Glück. Weil er so indirekt, verschachtelt und verbarrikadiert ist, kann es vorkommen, dass manche Menschen, den Weg zum inneren Glück nie finden. Sie sind die ewig Suchenden, Melancholischen  oder die Resignierten. Vor dem inneren Glück liegt die Angstschicht und hinter ihr verbirgt sich der konstruierte Schmerz. Er ist von uns konstruiert, aber dennoch real. Wie kommt es, dass wir entweder Schmerz (Angst vor dem Schmerz) oder Liebe empfinden? Für diese abermillionen Gefühlsfacetten ist das innere Bewertungssystem verantwortlich. Es baut sich in den ersten Lebensjahren auf und wird in unserem Abhängigkeitsstadium als kleines Kind durch unsere Bezugspersonen und durch die Erfahrungen, die wir durchleben, beeinflusst. Hirntechnisch ist die Amygdala dafür verantwortlich, dass wir leiden. Ohne sie, wären wir emotionslos. Befindet das innere Bewertungssystem den Menschen für gut und richtig, dann hat dieser Mensch ein positives Selbstkonzept. Seine unbewussten Reaktionsmuster sind positiv und dienen zum großen Teil seiner Bedürfniserfüllung. Dieser Mensch kommt mit seinem Schicksal gut zurecht und hat weniger Angst sich seinem inneren Schmerz zu stellen.

Befindet das innere Bewertungssystem den Menschen für schlecht und hässlich, entwickelt dieser Mensch ein negatives Selbstkonzept. Seine unbewussten Reaktionsmuster sind negativ und dienen den vielfältigen kompensatorischen Strategien der Bedürfniserfüllung. Jedes Problem können wir auf die Liebe reduzieren. Das ist ein Faktum, das keiner bestreitet, weil wir ohne die Liebe nicht überlebensfähig wären. Wir sind von Beginn an (Befruchtungsstadium) auf diese Liebe angewiesen. Wir können uns nicht wehren, wenn wir keine Liebe erhalten, also müssen wir uns anpassen. Negative Reaktionsmuster sind immer Anpassungsmuster an das Leben. Die Anpassungsfähigkeit brauchen wir, um nicht zu sterben. Die Verweigerung von Liebe durch Bezugspersonen in den ersten sensiblen Jahren ist die grausamste Handlung, die es gibt. Diesem Schmerz, der dabei entsteht, können Heranwachsende auf Dauer nicht standhalten. Sie haben noch keine Strategien entwickelt, sich zu wehren. Es fehlen ihnen Abwehr- und Resilienzmuster. Also heißt es erst einmal Reaktionsmuster entwickeln, um den Schmerz zu vermeiden. Die Angst vor weiteren Verletzungen ist so groß, dass das innerlich verletzte Kind, alles tun wird, um das nicht noch einmal zu fühlen. Was von Heranwachsensen nicht gelernt wird (wie denn auch? – Es bringt ihnen ja keiner bei!), dass diese Strategien im Erwachsenenstadium nicht mehr notwendig sind. Im Erwachsenenstadium können sich Erwachsene gegen Verletzungen schützen und wehren. Gute Bildungskonzepte könnten das jedoch leisten!

Negative Reaktionsmuster entstehen, weil der betreffende Mensch in seinen frühen Lebensjahren und oft auch noch als Jugendlicher nicht die notwendige Anerkennung und Liebe auf Vorschuss erhielt, die für seine gesunde Entwicklung ideal gewesen wären. Das zunächst neutrale innere Bewertungssystem wurde in der Kindheit, durch die Verletzungsoffenheit des Kindes und vielleicht auch durch eine veranlagte Hypersensibilität, zutiefst verletzt. Ohne Verletzung keine Wut und keine negativen Reaktionsmuster. Gehen Eltern sensibel auf die Bedürfnisse ihrer Kinder ein, dann entwickeln Kinder positive Reaktionsmuster, die zum Wohlbefinden und zur inneren Freiheit führen. Wurde das Kind, als er noch schutzbedürftig war, missachtet, geschlagen, misshandelt, angeschrien, missbraucht, abgestoßen, entwertet oder in einer anderen Art und Weise respektlos und menschenunwürdig behandelt, dann entwickelt das heranwachsende Kind für sein weiteres Leben ausgrenzende negative Reaktionsmuster, die sich in den unterschiedlichsten Verhaltensmuster und Haltungsmuster (s. Grossarth’sche Typologie und Reaktionsmustertabelle)  repräsentieren.

Auch übermäßiger Kontakt (Überbehütung) hat fatale Folgen auf die Entwicklung eines Menschen. Obwohl verwöhnten Kindern jeder Wunsch von den Lippen abgelesen wird, können diese Kinder ihren Eltern gegenüber eine unbändige Wut empfinden, weil ihnen das Wichtigste, nämlich die Liebe und die elterliche Präsenz, entsagt wurden. Manche Heranwachsende tragen ihren Zorn latent mit sich herum, weil es ihnen gegenüber ihren Eltern schwerfällt, die scheinbar alles für sie taten, Wut zu zeigen. Aber gerade die Wut zeigt uns den Weg zur goldenen Schatztruhe, wenn wir den Weg kennen. Lernen Sie heute hinter Ihre Wut zu schauen. Dieses Wissen ist für Ihr inneres Glück elementar. Seien Sie mutig! Gehen Sie diesen goldenen Weg und öffnen Sie Ihre goldene Truhe.


7.2    Die komplexen Eigenheiten von unbewussten Reaktionsmustern
Reaktionsmuster stehen nicht lose nebeneinander, sondern sie ergänzen und bedingen sich im Positiven wie im negativen Sinn. Ein Mensch mit Selbstempathie hat ein gesundes Helfermaß und leistet Hilfe zur Selbsthilfe. „Zu wenig geben ist Diebstahl, zu viel geben ist Mord“  Einem Menschen mit einem Helfer- und Rettermuster haftet oft noch zusätzlich ein Anerkennungsmuster, Verdrängungs- und Schutzmuster an. Er gibt viel zu viel, um selbst Anerkennung zu hamstern. Er verdrängt seine Gefühle und achtet wenig auf seine Bedürfnisse. Er ist mehr beim anderen als bei sich selbst, was in Wahrheit Unzufriedenheit schafft. Er hat ein Distanzmuster entwickelt, um sich vor seiner Umwelt zu schützen, weil er irgendwann die Entscheidung getroffen hat, seine Gefühle nicht zu zeigen. So verlernt er im Laufe der Zeit auch den Zugang zu ihnen. Ein Mensch mit einem hohen Moralmuster kann zusätzlich noch ein penetrantes Recht-haben-wollen-Muster und inneres Verurteilungsmuster haben. Wer gelernt hat, der hohen Moral und einer penetranten Ordnung zu folgen, glaubt, andere verurteilen zu müssen, um Recht zu erhalten, weil sie seine Moralvorstellungen nicht teilen.

Andere Reaktionsmuster schließen sich gegenseitig aus oder wirken paradox. Wer schüchtern ist, hat mit Parkettsicherheit keine Erfahrung und wird vermeiden im Mittelpunkt zu stehen. Er hat den Wunsch wichtig zu sein, vielleicht sogar abgespalten, obwohl er unbewusst durchaus den Drang nach Aufmerksamkeit hätte. Er lebt diesen inneren Drang nicht aus und weil er ihn nicht ausleben kann, ist er unzufrieden und weiß nicht warum. Eine Person mit einem extremen Geizmuster hat selten ein Vergnügungsmuster (Hedoniemuster).  Oder doch? In der Reaktionsmusterlandschaft ist alles möglich, wenn die innere Erlaubnis dazu einmal erteilt wurde. Ich habe erlebt, wie ,Geizhälse' plötzlich sehr spendabel waren, da sie nach einer großen Enttäuschung ihr geiziges Leben in Frage stellten. „Wozu der Geiz? – Ich will endlich leben!“ lautete die Devise, die jedoch nicht lange andauerte. Reaktionsmuster sind Gewohnheitsmuster. Wir verfallen nach einiger Zeit, trotz Veränderungswillen, wenn wir nicht konsequent an der Reflexion der Flexibilität dranbleiben, wieder zurück in die alten Muster.

Um seine unbewussten Reaktionsmuster zu erkennen, ist es als Erwachsener wichtig, sich der Angst vor dem inneren Schmerz zu stellen. Wovor habe ich eigentlich Angst? Ist es die Abweisung, vor der ich Angst habe? Was brauche ich, um der Abweisung standzuhalten? Wovor schützt mich eigentlich meine Angst? Unsere Ängste sind uns in der Regel bewusster als die gezeigten, negativen Reaktionen. Bin ich wirklich so? Habe ich wirklich eine ängstliche Haltung? Der Weg, wie uns die unbewussten negativen Reaktionsmuster bewusst werden, führt über die Angstschicht. Ängste sind wie Drachen; sie wollen unsere Schätze bewachen. In der Märchenwelt symbolisieren Drachen heimliche Helfer. Betrachten wir unsere Ängste als heimliche Helfer. Sie unterstützen uns, Herausforderungen besser zu bewältigen. Sie haben eine Schutzfunktion. Sind wir uns der Schutzfunktion bewusst, dann können wir uns fragen, ob wir heute noch wirklich diesen Schutz brauchen? Was brauchen wir stattdessen?

Wer Redeangst hat, will vielleicht vor Bloßstellung, Ablehnung oder vor den eigenen hohen Erwartungen geschützt werden. Wer erkennt, dass wir selbst es sind, die unsere Ängste konstruieren, der erkennt auch, dass wir unseren Schmerz konstruieren. Wir haben ihn als Kind zwar erlebt, aber wir können ihn heute in unsere erworbenen oder noch zu erwerbenden Potenziale (dazu gehört auch das Nein sagen lernen!) reframen. Um uns heute noch vor diesem Schmerz von damals zu schützen, werden immer wieder aufs Neue die unbewussten Reaktionsmuster aktiviert. Schauen wir uns heute als Erwachsener den Schmerz von damals an, dann entlassen wir bewusst den Wächter unseres Schmerzes und die unbewussten negativen Reaktionsmuster lösen sich auf. Die Türe zum Bedürfniskern braucht keinen Wächter mehr. Wir sind frei. Das ist innere emotionale Freiheit.

Unbewusste negative Reaktionsmuster sind Schutzmauer, damit sie uns vor der Welt ,sicher' schützen. Zu oft wurden wir schon verletzt und abgewiesen. Das wahre Selbst wird vom Wächter der Angst beschützt. Entbinden Sie Ihren Wächter von seiner Schutzfunktion und zeigen Sie sich heute, wie Sie wirklich sind. Das ist wahre innere Stärke. Stehen Sie zu sich, so wie Sie sind, mitsamt Ihrer Verletzlichkeit und mitsamt Ihren Befürchtungen. Zeigen Sie der Welt Ihr wahres Selbst. Die Menschen lieben stimmig-authentische Menschen. Sie werden mit der Zeit spüren, dass Sie keinen weiteren Wächterauftrag mehr benötigen.
Menschen mit vielen negativen Reaktionsmustern entwickeln eine lebensbefremdliche Kommunikation. Ein Mensch mit einem Opfermuster spricht eine Sprache, die den anderen bedient: „Wie Du willst Schatz. Ich ordne mich gerne unter!“ Ein Mensch mit einem Verurteilungsmuster spricht eine trennende und ausgrenzende Sprache, die andere Menschen das Messer in die Brust stecken. Was wir in unserer Gesellschaft brauchen, sind Menschen, die in erster Linie gut für sich selbst sorgen können. Daraus entwickeln sie die Kompetenz auch gut für andere zu sorgen. Wir brauchen eine inklusive Sprache und selbst gegenüber, damit wir aus dem Schlupfloch hinter der eigens erbauten Mauer wieder hervorzukriechen.

In Wahrheit wollen Menschen keine Trennung, sondern sie wünschen sich Kontakt. Die Strategie der Trennung, die wir noch im Erwachsenenalter wählen, aufgrund unserer Vorerfahrungen, um diesen Kontakt wieder herzustellen, ist nicht zu unserem Vorteil. Bekommen Sie ein Gefühl für Ihre negativen Strategien, um sie bewusst zu reframen. Die Änderung der Strategie funktioniert, wenn Sie es wollen und dafür brauchen Sie nicht unbedingt Change-Management-Seminare zu besuchen. Sie brauchen die Fähigkeit, konsequent über sich selbst bis in die Tiefenstruktur Ihrer Gedanken und Glaubenssätze nachzudenken, um sich das zu erlauben, was Sie in dieser Tiefe vorfinden. Sich selbst in GANZ.

7.2.1    Wie identifiziere ich unbewusste negative Reaktionsmuster?

Sie identifizieren diese, indem Sie auf die offensichtlichen und auf die latenten Ängste achten. Eine andere Möglichkeit ist, auf Ihre täglichen Aussagen und Gedanken zu achten. Hinter lapidaren Aussagen offenbaren sich die limitierenden (einschränkenden) Glaubenssätze und Überzeugungen. Die Aussage: „Ich traue niemandem!“ entlarvt ein hartnäckiges Misstrauensmuster. Eine weitere Möglichkeit zur Absicherung ist das Frageinstrumentarium aus dem Metamodell der Sprache: „Traue ich wirklich niemandem?“ Die Antwort auf diese Frage gibt Ihnen Auskunft, ob sich der Verdacht, einer starken oder eher schwachen Ausprägung, bestätigt oder nicht.

Erste Orientierungsfragen zur Entdeckung (Auf-Deckelung) Ihrer Reaktionsmuster könnten lauten: ,Habe ich ein Selbstverurteilungsmuster? Spreche ich mir gegenüber eine ausgrenzende Sprache, die meine innere Freiheit verhindert? Wie viel Freiheit erlaube ich mir? Bin ich auch frei, wenn noch unbewusste negative Reste meiner alten Reaktionsmuster in mir aktiv sind?‘

Unbewusste negative Reaktionsmuster kennzeichnen sich durch irrationale und limitierende Glau-benssätze. Diese Glaubenssätze bestimmen die Haltung der jeweiligen Person. Manche Aussagen, Gedanken und Überzeugungen sind so offensichtlich, dass sie leicht zu identifizieren sind.  Andere wiederum sind verdeckt, sodass wir genau hinsehen und -hören müssen, um die unbewussten negativen Reaktionsmuster mit ihren verborgenen Haltungen zu entschlüsseln.

Beispiel: „Die Arbeitsbedingungen werden immer schlimmer!“ Das Jammermuster hinter dieser Re-dewendung kann durch genaue Beobachtung von einem Negationsmuster abgegrenzt werden. Das Negationsmuster ist vom Jammermuster abzugrenzen, wenn der Mensch ausschließlich negativ denkt. Jammern heißt: Alles ist gerade schlecht, und es wird noch viel schlechter. Das Jammern kann ein unbewusstes, aber auch ein bewusst eingesetztes negatives Reaktionsmuster darstellen. Denn wir hätten auch die Wahl, die Dinge so zu benennen, wie sie wirklich sind, um sie auf diese Weise nach unseren Vorstellungen zu verändern. Aber das Jammern ist einfacher, als an der Situation tatsächlich etwas zu verändern. Wer das formuliert, was er fühlt und braucht, der jammert nicht. Entwickeln Sie ein Gespür für Reaktionsmuster, um sie differenziert und individuell zu betrachten. Beobachten Sie achtsam sich selbst und Ihre Mitmenschen und Sie werden mit der Zeit darin Experte.

Selbstverständlich dürfen wir auch einmal jammern, wenn es uns danach ist und wenn wir im nächs-ten Schritt herausfinden, was wir brauchen, um das aktuelle Jammern zu beenden. Deswegen haben wir noch kein Leid- oder Negationsmuster. Aber es gibt Menschen, die in allem etwas Negatives sehen, obwohl die Dinge sich positiv entwickeln. Wir alle kennen Menschen, die mit einer großen Negativlupe durchs Leben gehen. Ihnen entgeht fast nichts, was sie nicht bemängeln oder kritisieren könnten. Das hat nichts mit mal jammern zu tun, sondern mit der grundlegend negativen Haltung dieser Menschen. Sicherlich kennen auch Sie Menschen, die Ihrer Meinung nach immer alles nega-tiv sehen. Reflektieren Sie in jedem Kontext dennoch das Wort immer. Sehen diese Menschen wirklich immer alles negativ? Wo entdecken Sie positive Facetten? Bestärken Sie diese Menschen in ihren positiven Facetten und beobachten Sie genau, was passiert. Grundsätzlich sollten wir keine negativen Reaktionsmuster unterstützen und am wenigstens ein Jammermuster. Wenn Menschen jammern, dann teilen Sie ihnen mit: „O. k. – Du hast von Deinem Schicksal schon oft erzählt. Entscheide Dich dafür, dass Du Deine Geschichte nicht mehr weiter und weiter gibst, ohne irgendetwas dabei verändern zu wollen. Entscheide Dich, Dein Schicksal, auf eine andere Art und Weise zu sehen und zu interpretieren. Du hast heute die Wahl, entweder ein unglückliches oder ein glückliches Leben zu führen! Du hast die Wahl zwischen Jammern und Resignieren oder zwischen Anpacken und Verändern von Sichtweisen – Was bevorzugst Du?“ Sie werden schnell merken, um was es dem Jammerer eigentlich geht.
Bestimmten negativen Reaktionsmustern habe ich einen Namen gegeben, weil diese das Verhalten näher beschreiben. Ein Mensch mit einem Chamäleonmuster kann seine Anpassungsfähigkeit mani-pulativ einsetzen. Er besitzt die Fähigkeit, sich seiner jeweiligen Umgebung anzupassen, und er hat zudem ein weites Bewusstsein über seine Wirkung. Mit Kalkül, Diplomatie und Taktik verfolgt er seine Ziele und verleugnet, wenn es sein muss, sogar seine Identität.

Ein überbehütetes Mädchen, kann ein Bin-ich-nicht-süß?-Muster entwickeln und mit seinem süßen Charme bis zur Pubertät damit Erfolg haben. Kommt das Mädchen bei ihrem Auserwählten nicht mit ihrem süßen Charme an oder er verschmäht sogar ihre Zuneigung, dann wird sie zunächst am Boden zerstört sein, weil sie nicht lernte, authentisch zu reagieren. Die Lebenslektion, die sie durch die Ablehnung lernen kann, ist, ihren inneren Wert nicht von einer Rolle oder von den Einschätzungen anderer abhängig zu machen. Wie ihr Leben weiter geht, hängt von ihrer Reflexionsfähigkeit ab: „Will ich ein Leben lang süß wirken, um bei anderen anzukommen oder will ich, ich sein?“

Menschen mit einem Ach-bin-ich-glücklich!-Muster bauen Scheinwelten auf, um dem Umfeld zu beweisen, dass sie glücklich alles im Griff haben. Sie gestalten ein nach außen perfekt funktionierendes Familienmanagement. Von diesem Muster wird die ganze Familie infiziert (siehe bio-energetisches Feld).  Haltungsmuster werden unbewusst an die anderen Familienmitglieder und Kinder weitergegeben, die sich der Scheinwelt anpassen. Sie haben keine Wahl. Noch nicht. Menschen mit einem Ach-bin-ich-glücklich!-Muster sind permanent beschäftigt, zu demonstrieren, wie glücklich und wie toll, samt Familie, sie doch sind. Dieses Muster wird oft mit einem Clown- und Prahlmuster geteilt. Es fällt auf, das diese Menschen nicht wirklich die Themen anderer verstehen, weil sie nicht aktiv und empathisch zuhören können und für die Tiefstruktur anderer wenig Interesse aufbringen können. Würde dadurch ihnen ihre Oberflächlichkeit bewusst werden? Zu den vorgetragenen Problemen erzählen sie ihre eigene tolle Geschichte dazu. Das Clownmuster entsteht, um Probleme zu überspielen und humorvoll zu verharmlosen, weil sie nicht wissen, wie ein tatsächliches Problem zu managen ist. Das würde die Fassade zum Bröckeln bringen. Das Prahlmuster entsteht, um eigene Unsicherheiten und Schwächen im Familiensystem nicht zu fühlen. Die Ach-bin-ich-glücklich!-Menschen ahnen unbewusst ihre innere Not. Sie suchen sich schwache Freunde aus, damit sie bei ihnen ihre guten Ratschläge hinterlassen können. Dabei wird das  Wichtigtuermuster in vollen Zügen zur Kompensation ausgekostet. Es geht ihnen gut, wenn sie sehen, dass es anderen noch schlechter als ihnen geht. Wehe, wenn die ausgesuchten schwachen Freunde sich emanzipieren und nicht mehr auf den tollen Rat angewiesen sind. Da echte Verbindungen fehlen, haben sie keine langen Freundschaftsbanden, sondern hauptsächlich Pilzgesprächsfreunde.  Sie halten ständig Ausschau nach neuen Freunden, um immer wieder aufs Neue ihre glückliche Welt zu präsentieren. Freundschaften werden bei Diskrepanzen schnell mal gekündigt. Klar ist, die anderen sind schuld und sie leben weiterhin die perfekte Ach-bin-ich-glücklich-Rolle. Wissen Sie überhaupt, dass sie eine Rolle spielen? Das ist die große Frage. Ich glaube, sie ahnen ihre inneren Schatten, weil die Türe zum stimmig-authentischen Bedürfniskern mit vielen Wächtern bewacht wird.

Weitere Bezeichnungen von Mustern finden Sie in Kap. 7.2.2 in tabellarischer Form zusammengefasst. Unbewusste negative Reaktionsmuster offenbaren sich nicht nur durch Aussagen, Redewendungen, Glaubenssätze, Überzeugungen und Gedanken, sondern auch durch ihre Wirkung. Die Art und Weise, wie Sie sich präsentieren, entlarvt Ihre positiven oder negativen Reaktionsmuster. Ein Neid- und Kon-kurrenzmuster ist nicht so leicht an Aussagen zu erkennen, weil wir gelernt haben, uns rollen- und erwartungsgerecht zu verhalten. Wer gibt schon zu: „Wenn ich Dich sehe, dann bin ich innerlich voller Neid, weil Du mehr Erfolg hast als ich.“ Es ist vielmehr die Haltung und die nicht gerade empathische Wirkung der Neid- und Konkurrenzmaske, welche das Neid- und Konkurrenzmuster entlarvt.
Unbewusste negative Reaktionsmuster zeigen sich in situativen Kontexten. Verhalten sich Menschen in bestimmten Situationen nicht stimmig (kongruent), spüren wir das intuitiv. Besonders Kinder sind für Inkongruenz sehr empfänglich, weil sie unverfälschter als wir Erwachsene sind. Wir hören es sogar an der Stimme heraus, ob jemand kongruent ist. Geht die Stimme nach oben, klingt es inkongruent. Stellen Sie sich eine Person vor, der Sie ihren aktuellen Erfolg gerade nicht gönnen und sagen Sie laut: „Ich finde Dich toll!“ Achten Sie auf Ihre Stimme. Geht sie nach oben oder nach unten?

Unbewusste negative Reaktionsmuster werden nicht nur an der Stimme, sondern auch an der Physiologie entlarvt. Beispiel: Jemand sagt: „Hand aufs Herz, und ich vertraue Ihnen“ und dennoch sehen wir an der Physiologie dem anderen sein inneres Misstrauen an. Manchmal ist mehr als eine Aussage und ein Kontext notwendig, um ein unbewusstes negatives Reaktionsmuster zu identifizieren. Menschen können sich chamäleonartig (mal so und mal anders) oder auch völlig konträr zu unserer Erwartungshaltung verhalten. Diese Menschen spüren ihre eigene Inkongruenz und Diskrepanz. Achten Sie bei sich und bei anderen auf die Stimmigkeit von Kontext, Stimme und Physiologien. Sind diese kongruent? Lachen die Augen mit oder lacht nur der Mund? Was will der Mensch uns eigentlich sagen, wenn er ein bestimmtes negatives Reaktionsmuster zeigt? Welches Muster könnte sich hinter dem Muster verbergen?


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Fortbildungsdesigns 2016

20_Fortbildungsdesigns.pdf

7.3 M

Reaktionsmustertabelle mit über 130 Mustern....


Reaktionsmustertabelle.pdf

Identifizieren Sie Ihre Ihnen evtl. noch unbewusste Reaktionsmuster.